Fahrbericht: Mein erster Urlaub mit dem e-MTB

Der erste Urlaub mit dem e-MTB

Als ein erfahrener Mountainbiker und Alpenüberquerer, der auch einige Alpenüberquerungen selbst organisiert und durchgeführt hat, hatte ich in diesem Herbst das Vergnügen, mit einem e-MTB in eine Gegend zu reisen, die ich vorher schon 20 Jahre mit einem „klassischen“ MTB bereist hab. Somit konnte ich den Unterschied meiner Stammtouren im direkten Vergleich fühlen und spüren.

 

Wo ging es hin? Ins Tessin, und zwar an den schweizer Teil des Lago Maggiore! Schmale Gassen, einsame Dörfer, viel Wald, vor allem Berge und Aussicht! Eine meiner Lieblingsspots seit vielen Jahren. Aufgrund der typisch alpinen Topografie war es in den letzten Jahren ohne E-Unterstützung schon eine gewisse Herausforderung, für mich schöne Tagestouren zu machen. Denn oftmals waren sie so anstrengend, dass es mich teilweise überfordert hat. Selbst bei genauer Planung, und unter Berücksichtigung der jeweiligen Höhenmeter ist es im Herbst schwierig, im Zeitfenster zu bleiben, um noch bei Tageslicht am Ziel zu sein. Deshalb wurde für mich etwas unentspannt mit der Zeit im Nacken.

 

All das habe ich jetzt mit dem e-Bike nicht mehr – mein Radius ist größer, ich bestimme den Grad der Unterstützung, bewege mich in der Natur und bin abends einfach nur glücklich und entspannt und habe trotzdem das Gefühl hochgradig sportlich aktiv gewesen zu sein. Aufsteigen am steilen Berg – früher für mich eine Herausforderung – mit dem e-Bike einfach pure Lebensfreude!  


Meine sportliche Begleitung

Auf dieser Reise begleitete mich das Focus Jam2 Plus, e-MTB Fully, Shimano Deore XT 11-Gang, inkl. einem T.E.C. Pack, welches mir zusätzliche 378 KWh Akkukapazität ermöglichte. Das e-MTB von Focus hat 3 Modi: Eco, Trail und Boost. Der Eco-Modus gibt bereits genug Unterstützung, um auch im bergigen Gelände (vor allem bei asphaltiertem Untergrund) genügend Schub zu geben. Das Fahren ist dann für mich angenehm fordernd, aber nicht überfordernd. Schwitzen gehört für mich beim Biken allerdings dazu. Der Trail-Modus unterstützt in dem Maße, wie man auch in die Pedale reintritt. Der Boost-Modus ist fast wie Moped fahren, genial für steile Anstiege, aber sonst für mich etwas befremdlich. Ich mag es auch mit Unterstützung, langsam und entschleunigt die Berge hochzukurbeln. 

Das Focus Jam2 Plus im Fahrbericht

1.Tour: Do. 19.9., Elsass – Trios Epis Vogesen, ca. 2h, 18 km, ca. 500 hm

Meine erste e-MTB Ausfahrt fand im Wald rund um Trois Epis statt - die Spitzkehren bergauf waren eine erste kleine Herausforderung (plötzliche Geschwindigkeit und Lenkung). Doch beim Downhill-Erlebnis war es absolut überraschend, dass das Gewicht des Bikes überhaupt nicht stört und das Bike absolut sicher über Stock und Stein rollt.

 

Das Bergauffahren auf sehr gerölligem Boden war MEGA! Daumen hoch, auch über größere Steine rollte das Bike einfach drüber, schluckte sie förmlich weg. Gleichgewichtsprobleme, die ich vorher auf Grund der geringen Geschwindigkeit und Umkippgefahr im Uphill hatte, waren beim Focus nicht existent.

 

Meine erste Bilanz nach der ersten kurzen Tour: 22km, ca. 500hm, ca. 2h einfach aufs Geratewohl – ein riesen Spaß!!


2. Tour: Fr. 20.9., meine Hausrunde- ca. 700 hm

Es ging über den Berg nach Ronco, Arcegno, Golino, an der Melezza entlang bis Ascona, dann die Promenade bis Mte Veritas, über Casa Berno nach Ronco, über Porto Ronco zum See und entlang der Ufer Promenade Brissago. Eine Traumtour und so viel Genuss wie noch nie, da ich die traumhafte Gegend viel intensiver wahrnehmen und erfahren konnte, nämlich dadurch, dass ich nicht permanent am Pulslimit unterwegs war.

 

Die Schweizer und insbesondere die Besucher des Monte Veritas waren sehr begeistert von dem Bike. Ich wurde sehr oft darauf angesprochen. Da ich noch 3 Balken Akku hatte, bin ich die letzten 150 hm zur Ferienwohnung im Boost-Modus hochgefahren – der Zug des Motors war unglaublich und fühlte sich fast an wie Moped fahren. Allerdings hatte diese kleine Einlage aber mit Sport nicht mehr viel zu tun.

 

Mein Resümee der 2. Tour:

  • Akkuverbrauch im Eco-Modus ist wirklich sparsam – sehr überraschend
  • Bergauf zeigt der Motor sehr viel Kraft, man hört ihn aber auch deutlich.
  • Mehr als Eco braucht man meist nicht, wenn man sportlich unterwegs sein möchte. 

3. Tour: Sa. 21.9., Brissago – St. Agata- Monte Giove, gute 1000 hm, ca. 30 km

Diese Strecke versprach sehr steile Weganteile, die letzten 400 hm habe ich deswegen öfter auch den Boost-Modus ausgetestet. Als ich das Ende des fahrbaren Weges erreicht hatte, war dann der 1. Akku wirklich auf den Punkt verbraucht. Den Gipfel habe ich mit dem letzten Tropfen Sprit erreicht. Ca. 15km, 1000 hm, 1 h reine Fahrzeit – da war ich sehr verschwitzt, aber glücklich, denn dies war nach 10 Jahren die erste Tour mit solchen Anstiegen ohne massive Knieprobleme!

 

Der Anstieg war sehr steil, teilweise hatte die Steigung mehr als 19%. Hier hatte der Eco-Modus keine Chance, selbst der Trail-Modus war eine Herausforderung. Auf den letzten 400 hm habe ich auf den Boost-Modus zurückgegriffen – bei diesen Steigungen ein echtes Vergnügen, dies ist allerdings auch ein echter Akkufresser! Die Abfahrt war sehr steil. Um vorne nicht über den Lenker zu gehen, musste ich lange Passagen mit dem Gesäß hinter den Sattel gehen. Ab ungefähr der Hälfe des Rückwegs ging links ein neuer MTB-Trail ab, der wollte getestet werden – sehr schmale Wege, viele Spitzkehren, sehr abwechslungsreicher Untergrund in traumhafter Kulisse.

 

Ich habe kommentierte Fotos meiner Tagestouren an einen erlesenen Kreis meiner Kontakte in meinem WhatsApp- Status geteilt. Die Rückmeldungen von Freunden und Familie waren durchweg positiv – der Tenor: „Das was du da tust, macht total Lust auf e-Bike!“

 

Den Funken der Begeisterung bei Menschen entfachen – das ist wirklich in Geschenk! 


4. Tour: Mo. 23.9., Baderunde an die Maggia…mein absoluter Lieblingsplatz mit Badepause, ca. 40 km, 2 h Fahrzeit, 500 hm

Heute hervorzuheben: Auch nach der 4. Tour gab keine Sitzprobleme – der Sattel war also top!

 

Der Boost-Modus ist mega, wenn man keine Lust mehr hat, sich zu quälen oder die Muskeln einfach mal eine Pause brauchen. Für mich ist es dennoch nach wie vor etwas befremdlich, bei 20% Steigung einhändig mit 20km/h einen Berg hochzufahren.

Der erste Urlaub mit dem e-MTB

5. Tour: Di. 24.9., 35 km, ca 1:45 h Fahrzeit, Flanierrunde mit Zivilkleidung

Der erste Urlaub mit dem e-MTB

Heute ging es an der Brissago Promenade und am Wasser entlang nach Ascona, dort war ein Kunsthandwerkermarkt mit wunderschönen Sachen von Schweizer Künstlern, Schmuck, regionalen Produkten und Leckereien. Danach ging die Tour weiter in der Ebene über das Maggia Delta nach Locarno – dort war ich ein wenig Flanieren – und dann gegen 17:30h zurück nach Ascona und noch einmal zum Monte Veritas (ein großer Kraftort) in der letzten Abendsonne.

 

Fazit: Ich hatte leichte Sitzprobleme ohne Sitzpolster, aber trotzdem eine sehr entspannte Tour, die trotz Abstecher zum Monte Veritas (ca. 500hm bis Brissago) auch ohne extremes Schwitzen möglich war.


6. Tour: Mi. 25.09.19, 1600 hm, 58 km, Fahrzeit 3:45 h

Heute gab es den großen Höhenmetertest – ein Traum wurde wahr! 1600 hm war der Plan für die Runde. Start war 10:45 Uhr in Brissago, dann im Eco-Modus am See entlang nach Locarno einradeln, bzw. aufwärmen. Auf dem Monte Bre, ca. 850 hm, 12:10 Uhr, noch 3 von 5 Akkubalken…Wahnsinn!

 

Danach kam der Einstieg in den Trail – sehr geröllig, mit groben Steinen auf einem schmalen Pfad. Ohne E-Unterstützung habe ich hier früher oft geschoben, weil für mich die Koordination des Bikes bei sehr hohem Puls schwer kombinierbar und vereinbar war

.

Am höchsten Punkt gab es dann eine Pause am Sessellift. Dann: Akku rot, letzter Balken, 1500 hm in den Beinen mit 1x 378 Wh Akkuladung…Noch ein kurzer Anstieg auf schmalen Weg, dann war der Akku leer. Die T.E.C. Pack Synchronisation schien nicht funktioniert zu haben, also ging es ab jetzt ohne Akku weiter.

 

Diese Tour hat mich an meine Grenzen gebracht, sich aber auch als machbar erwiesen. Fazit: Ich bin sehr dankbar, das erleben zu dürfen! Die schmalen Trails bergauf waren easy zu fahren – der HIT! Hier musste ich früher wirklich oft das Bike schieben. Der Trail war auch ohne Akkuunterstützung mit Begeisterung zu meistern. Das Bike ist absolut wendig im Gelände, ich habe fast nur den Eco-Modus für den Aufstieg genutzt und ab und zu im steileren Gelände den Trail-Modus, aber der Boost wurde nicht benötigt.


Tour 7: So. 29.9., 2 h Fahrzeit, ca. 45 km

Der erste Urlaub mit dem e-MTB

Heute wollte ich eine Ausradeltour mit locker 1000 hm machen, einmal zum Recyclinghof, mein Leergut usw. wegbringen – auch hier muss das Auto nicht mehr bewegt werden – von dort hoch in die Berge Richtung Ronco, Colle San Marco, Monti di Ronco bis ca. 1000 m ÜNN, dann zurück Richtung Arcegno den Hangweg entlang nach Golino und an der Melezza zurück Richtung Ascona. Ein letzter Streifzug über die Strandpromenade von Ascona, denn es zogen dunkle Wolken auf aus Richtung Brissago. Ich gab Gas, um rechtzeitig zurück zu kommen. Es roch nach Regen, trotzdem ließ ich mir einen letzten Besuch der Promenade von Brissago nicht nehmen.

 

Ich kam absolut erholt aus dem Urlaub nach Hause. Wo mir früher die Luft weg blieb, hatte ich jetzt die Entspanntheit, mit offenen Augen staunen zu dürfen.


Mein Resümee:

Vorteile:

  • Keine Knieprobleme mehr, da ich den Trittwiederstand durch die Unterstützung besser modifizieren kann.
  • Sattel top! Mit Radhose ohne Sitzprobleme – auch neu!
  • Ich bin deutlich schneller auf der Straße unterwegs, das gibt mir Sicherheit.
  • Die Schiebehilfe in schwerem Gelände ist griffig und sehr effektiv, das Bike läuft quasi von alleine.
  • Tolle Bike-Geometrie – keine verspannten Schultern o.ä., auch mit relativ schwerem Rucksack nicht.
  • Achtung: e-Bike Fahren macht süchtig! Eltern haften für Ihre Kinder!
  • Purer Genuss und wahre Lebensfreude!
  • Ich komme absolut erholt aus dem Urlaub nach Hause. Wo mir früher die Luft weg blieb, hatte ich jetzt die Entspanntheit mit offenen Augen staunen zu dürfen! Mehr geht wirklich nicht!

Nachteile:

  • Man hört den Motor ziemlich laut, vor allem bergauf.
  • Mein normaler Radcomputer hat mehr Funktionen, z.B. einen Altimeter.
  • Die technische Kopplung mit dem T.E.C. Pack: Am Bike wird nur der Ladezustand eines Akkus angezeigt und es ist herausfordernd zu erkennen, welcher. ACHTUNG: Wenn der am Bike verbaute Akku leer ist, kann man das Bike nicht mehr mit dem T.E.C. Pack koppeln, man fährt dann ohne Unterstützung.

Das Focus Jam2 Plus überzeugt auf allen Ebenen, die Akkulaufzeit hat meine Vorstellungen bei weitem übertroffen: 500 hm im Eco Modus bergauf und nur 2 von 5 Balken verbraucht!

Der erste Urlaub mit dem e-MTB

Unsere Testfahrerin: Inken Lehmann aus Ahrensburg

e-MTB Testfahrerin Inken Lehmann aus Ahrensburg

Inken Lehmann ist seit 20 Jahren glückliche Hamburgerin und  arbeitet bei der e-motion e-Bike Welt in Ahrensburg. Sie ist passionierte Mountainbikerin und bringt über 15 Jahre Erfahrung im MTB-Bereich mit, die sie 2 mal jährlich bei ihrem Urlaub in den Bergen einbringen kann. Inken hat sogar schon 9 Alpenüberquerungen (Nord-Süd und West-Ost) geplant und zu Zweit durchgeführt, bringt also mehr als genug Know-How für steile Pässe mit! Ansonsten ist Inken auch in anderen Bereichen sportlich und in der Natur unterwegs: Sie wandert, fährt Ski und macht Yoga