Bosch, Brose und Yamaha im direkten Vergleich - Der beste e-MTB Mittelmotor 2016

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90Nm - 250Watt - 500Wh - 36Volt - 3,4kg - 300% - 25km/h - 2fach - 1000Zyklen - 800€ - ECO - 130km - beschäftigt man sich mit e-Bike Antriebssystemen, so muss man sich zwangsläufig mit einer ganzen Reihe von Zahlen auseinandersetzten mit welchen die Hersteller um die Gunst des Kunden buhlen. Dabei beweisen diese Zahlen an sich kaum etwas darüber wie sich ein Antrieb anfühlt und nutzen lässt. In dieser Artikelserie wollen wir daher die drei Mittelmotor Antriebssysteme erfahren und beschreiben welche Eigenschaften mit dem jeweiligen Modell einhergehen.

 

Mit den Mittelmotoren der Hersteller Bosch, Brose und Yamaha haben wir die aktuell populärsten Vertreter, bei sportlicher Nutzung in einem e-Mountainbike, im Fuhrparkt. So kommt der Bosch Performance CX Antrieb im Cube Stereo Hybrid 160, das Yamaha System im Haibike Sduro AllMTN und Brose im Rotwild R.Q1+ FS zum Einsatz. Drei e-Mountainbikes welches eines vereint - den sportlichen Einsatz im Gelände.

 

Nun haben wir es uns zum Ziel gesetzt unsere Erfahrungswerte mit diesen drei Antrieben in Wort und Bild so zu beschreiben, dass ihr Leser nachvollziehen könnt wo die Stärken und Schwächen der einzelnen Antriebe liegen. Wir werden also nicht mit nackten Zahlen argumentieren, so wie es die Hersteller tun, sondern unsere praktischen Erfahrungen in Bezug auf konkrete Anwendungsbeispiele wiederspiegeln.

 

Bewegt werden die Bikes in unserer Heimatregion am Südschwarzwald. Hier kennen wir das Gelände, auch unter unterschiedlichen äußeren Bedingungen, in und auswendig. Damit haben wir die Basis, vielerlei unterschiedliche Anforderungen genau beurteilen zu können.

 

Gliederung:

Der große e-MTB Motoren Vergleich

Vorstellung der Mittelmotoren

Bosch Performance CX

Das CX Modell ist der jüngste Spross des schwäbischen Weltkonzerns. Basierend auf dem 2013 erstmals gezeigten klassischen Performance Modell hat dieser neue Antrieb nun eine geänderte Bauform, womit sich bei der Konstruktion von e-MTBs neue Rahmenarchitekturen realisieren lassen. Der Hersteller verspricht darüber hinaus mehr Leistung als das Performance Basismodell. Ein Antrieb, konzipiert und realisiert für den sportlichen Einsatz. Durch die interne Untersetzung kommt beim Bosch Motor ein Ritzel zwischen 14 und 20 Zähnen (je nach Anwendungsgebiet) zum Einsatz.

Der Brose e-MTB Mittelmotor

Brose 

Ebenfalls ein Antriebshersteller mit Wurzeln im sogenannten Automotive Bereich - also Entwickler und Zulieferer von Komponenten für die Automobilindustrie. Dies Basis, der Elektromotor, stammen hier von einem Lenkungsmotor für Automobile. Die Gesamtkonzeption des Antriebs für ein e-Bike umfasst eine intere Kraftübertragung über einen Riemen. Damit wird die mechanische Energie zwischen Motor und Kurbelwelle übersetzt wodurch sich ein besonders hohes Drehmoment ergeben soll. 

Diese technische Gegebenheit wiederum ermöglicht es, den Antrieb von der Leistung des Bikers zu entkoppeln. Damit soll ein antriebsneutrales Pedalieren in Situationen möglich werden, bei denen der Motor nicht mehr unterstützt - also Beispielsweise über der gesetzlich limitierter 25km/h Grenzen. Bei Brose ist es je nach Modell möglich auf der Tretlagerachse mit zwei Ritzel zu fahren.

Der Yamaha Mittelmotor im Test

Yamaha

Der Yamaha Antrieb der zweiten Generation wurde erstmals 2012 in einem Giant e-MTB verbaut. Haibike führte 2014 die Sduro Linie ein und damit einher stieg die Popularität des japanischen Mittelmotor schlagartig an. Hauptargumente Seitens Haibike, die für den Yamaha Antrieb sprechen, seien die sofortige Unterstützung ab der ersten Kurbelumdrehung sowie der Möglichkeit zwei Kettenblätter und somit eine große Übersetzungsbearbeitung anwenden zu können.

Die Akkupacks der Hersteller bestehen aus unterschiedlichen Kapazitäten. Den größten Energiespeicher liefert aktuell Bosch mit nahezu 500Wh. Brose verbaut an dem uns zur Verfügung stehenden Rotwild Bike einen Akkupack mit 40 Zellen womit sich gut 460Wh ergeben. Yamaha bietet im Haibike Sduro 400Wh auf. Alle drei Antriebssystem laufen mit einer Nominalspannung von 36Volt. Das sich hieraus im direkten Vergleich unterschiedliche Reichweiten ergeben könnten, ist zu erwarten. Dennoch werden wir, unter Berücksichtung der jeweiligen Gesamtkapazität, auch hier Rückschlüsse auf die Effizienz ziehen.


Uphill Performance

Unsere Teststrecke für die Fahrt den Berg hinauf hat im Schnitt etwa 20% Steigung. Die steilste Stelle erfasst unsere Messinstrumente mit knapp 25%, was eine ordentliche Anforderung an Mensch und Maschine darstellt. Diese Teststrecke werden wir mit unterschiedlichen Fahrprofilen bezwingen. Zum einen lassen wir uns mit einer niedrigen Trittfrequenz, mit maximaler Unterstützung den Berg hinauf "treiben". Das zweite Profil soll den durchschnittlichen sportlichen e-Biker wiederspiegeln - d.h. wir fahren mit einer mittleren Trittfrequenz um die 80 Umdr./min., bei maximaler Unterstützung hinauf.  Das dritte und letzte Profil wird mit einer möglichst hohen Kadenz absolviert, dies bedeutet maximale Unterstützung und Vollgas den Berg hinauf. Diese Profile werden abwechselnd mehrmals hintereinander von unterschiedlichen Fahrern gefahren und die Fahrdaten dazu aufgezeichnet. Somit sollte sich ein Bild über die Leistungsfähigkeit der einzelnen e-Bike Antriebe in der praktischen Anwendung ergeben.

Bosch Performance CX System

Das jüngste Bosch System fällt durch eine sehr natürliche und dominante Kraftentfaltung auf. Hierbei zeigt sich in der Praxis, dass das Anfahren im steilen Gelände wohl dosiert von statten geht. Das System erfasst hierbei sehr genau den Druck auf das Pedal und unterstützt entsprechend dieses Impulses die eigene Muskelkraft mit elektrischer Energie. Dabei bleibt der Unterstützungsgrad über eine große Trittfrequenzbandbreite gleichmäßig bestehen, egal ob mit einer Kadenz von 50 oder um die sportlichen 100 Umdr./min pedaliert wird.

Parallel dazu ist es der stärkste Antrieb im Testfeld, hier schiebt der Motor selbst unter steilsten Bedingungen bis an die Grenzen dessen, was die Rahmengeometrie in der Steigung zulässt.

Hier geht es also richtig voran im Zusammenspiel mit der 11fach Kassette und dem darauf befindlichen großen 42er Ritzel. Leistungseinbrüche durch Dauerbetrieb konnten wir auf unseren Teststrecken bisher keine feststellen. Soviel Leistung hat jedoch auch großen Energiehunger, der Performance CX Mittelmotor harmoniert daher am besten mit dem großen Akkupack mit 500Wh. Die Motorgeräusche unter Volllast sind sehr deutlich wahrzunehmen und haben einen sonoren Charakter.

e-mtb.de Testfahrer Julian beim Motor Höhenmetertest

Brose 

Der Mittelmotor von Brose unterstützt sehr zuverlässig in den bergauf Passagen und ist dabei unter jeder Bedingung, seien es Wurzelpassagen oder feuchtes Laub, gut dosiert zu fahren. Niedrige Trittfrequenzen kann der Mittelmotor gut mitgehen, dabei wird Fahrer und Bike gleichmäßig den Berg hinauf geschoben.

Für längere, besonders steile Passagen mit höheren Trittfrequenzen, fehlt es ihm in diesem Bereich allerdings etwas an Leistung. Das führt unter Umständen dazu, dass ein nicht ganz so sportlicher Fahrer in steilen Passagen schnell an seine Leistungsgrenze gebracht wird. Hier kommt bei kurzzeitiger Erhöhung der Trittfrequenz über 80Umdr./min. kein ordentlicher Leistungszuwachs auf das Hinterrad und somit in Vortrieb. Dies fühlt sich dann sogar so an, als würde der Motor beim Beschleunigen etwas bremsen.

Als sehr positiven Aspekt ist die große Laufruhe des Motors hervorzuheben, selbst unter Volllast ist dieser akustisch kaum wahrnehmbar. Desweiteren ist noch anzumerken, dass das Brose Antriebssystem genügsam mit dem Energieverbrauch umgeht.

Bergauf mit dem Brose e-MTB Motor

Bergauf mit dem Yamaha e-MTB Mittelmotor

Yamaha

Die Stärken des japanischen Mittelmotors liegen ganz klar im Trittfrequenz Bereich um die 60-80 Umdr./Minute - hier ist die gefühlte Unterstützung vor allem Bergauf am größten. Damit dürfte diese Eigenschaft einen Großteil der Bedürfnisse klassischer Pedelec Biker abdecken.

Geht der Biker dazu über, in eine höhere sportliche Kadenz zu wechseln, fällt der Unterstützungsgrad spürbar ab. Man fühlt sich dabei fast dazu gezwungen, bewusst niedrigere Trittfrequenzen zu halten um im optimalen Drehmoment Bereich zu bleiben.  In diesem Zusammenspiel macht das Zweifach Kettenblatt und die damit beabsichtigte hohe Übersetzungsbandbreite jedoch wenig Sinn. Zum einen ist der Umwerfer unter Volllast nicht in der Lage das Kettenblatt vom großen auf das kleine Blatt zu transportieren und zum anderen kann der Yamaha Antrieb kurze Übersetzungen, welche zwangsläufig zu höheren Trittfrequenzen führen, nicht effizient nutzen.

 

Bedingt durch das große Drehmoment, bei niedrigen Trittfrequenzen, kommt es während der Fahrt über laubbenetzte Wurzeln hin und wieder vor, dass die Motorunterstützung das Hinterrad zum durchdrehen bringt. Auch eine sofortige Entlastung des Pedals kann hier den Nachlauf des Hinterrads nicht sofort korrigieren, was zwangsläufig zu einem Stop auf der Bergauffahrt führt.  Im klassischen Bike Bereich, also dem ohne Motor, werden solche Hindernisse wie nasse Wurzeln mit Schwung überfahren um hier ein durchdrehen des Hinterrades bzw. das abrutschen dessen zu vermeiden. Hier fehlt es dem Yamaha Antrieb im höheren Trittfrequenzbereich jedoch an Leistung, um vor einem Bergaufhindernis nochmals kurz beschleunigen zu können. Die Motorgeräusche unter Volllast sind recht hochfrequent, jedoch relativ leise und somit absolut nicht störend.

Fazit im Bergauf Vergleich:

Seine Leistung und das sensible Ansprechverhalten sind die überzeugenden Argumente, welche das Bosch Performance CX System in dieser Kategorie zu unserem Favorit macht. Mit einem schier unglaublichen Vorwärtsdrang schiebt das Bosch System den Biker an sein Ziel. Das Ansprechverhalten auf Pedaldruck fühlt sich sehr natürlich an, da der Motor die indirekten Steuerbefehle, welche beim Pedalieren vermittelt werden, sehr direkt umsetzt. Somit ergibt sich ein leistungsstarkes und harmonisches Fahrbild.

 

Aber auch die anderen Motoren von Yamaha und Brose brauchen sich nicht zu verstecken. Beide zeigten sich auf unseren Teststrecken als absolut zuverlässige Begleiter. Ausfälle gab es bei Testbedingungen um die 12°C Außentemperatur keine zu verzeichnen. Der Brose Antrieb überzeugt durch eine geringe Geräuschkulisse. Beim antreten aus der Fahrt heraus würde ihm jedoch etwas mehr Durchzug gut tun. 

Der Yamaha-Antrieb schiebt satt und genügsam jeden Biker aufwärts. Eine konstantere Unterstützung im sportlichen Trittfrequenzbereich über 80 Umdr./min. wäre wünschenswert, da der sportliche e-Mountainbiker nicht selten diesen Bereich im technisch anspruchsvollen Gelände abrufen möchte.

 

Würde man die Motoren nicht direkt nacheinander auf dem selben steilen Stück bewegen, so wären alle Antriebssysteme eine gute Wahl in einem e-MTB. Beim direkten Vergleich wird jedoch sehr schnell deutlich welche Eigenschaften mit welchem System einhergehen. 

Die Fahreigenschaften der Bikes an sich, spielten bei unserer Bewertung keine Rolle. Die unterschiedlichen Kettenschaltungen mit 10fach oder 11fach Kassetten und zweifach Kettenblatt an der Kurbel wurden berücksichtigt.


Tour Performance

Als Testtour haben wir uns in der winterlichen Jahreszeit eine ausgesucht, welche uns zum Kaiserstuhl führt. Hier finden wir im Schnitt 2°C höhere Lufttemperatur vor als am direkten Fuße des Schwarzwalds. Das Streckenprofil sieht hierbei so aus, dass zunächst die Breisgauer Bucht bis zum Kaiserstuhl Mittelgebierge mit vulkanischem Ursprung gequert wird - also eine über mehrere Kilometer laufende Flachpassage.

Dann erfolgt ein mäßiger und konstanter Aufstieg, beginnend auf fester Teerstraße folgend von klassischen Wald- und Landwirtschaftswegen mit festem aber unebenem Untergrund. Auf der ersten Anhöhe nach etwa 300Hm und etwa 18km fahren wir dann auf dem Gebirgskamm ständig auf und ab über weitere 10km an das südliche Ende des kleinen Kaiserstuhls.

Zurück geht es dann wieder über die Rheinebene, also stupider Strecke mit minimaler Unterstützung, etwa 30km.

 

Hier die GPS Daten der Tour in der Kartenansicht:

Fazit zum Höhenmetertest mit Bosch, Brose und Yamaha e-MTB Motor
Fazit zum Bosch Performance CX

Bosch Performance CX:

In den unteren Unterstützungsstufen ECO & TOUR unterscheidet sich das Drehmoment nicht vom klassischen "Performance Cruise" - daher ergibt sich ein bekanntes Bild in der Leistungsentfaltung. Nicht ganz so laut, wie unter voller Leistung, surrt der Performance CX Antrieb dennoch hörbar vor sich hin. In Kombination mit der 11fach SRAM Kettenschaltung zeigt sich, dass der kleinste Gang unter klassischen Tourbedigungen kaum gefahren wird. Es reicht zumeist das zweite Ritzel mit 36 Zähnen um mäßige Steigungen mit einer sportlichen Note und ausdauernd zu bewältigen. Auf schnellen Bergab Etappen lässt mit der SRAM Kassette noch bis 50km/h gut auf Last pedalieren.

Auf touren fällt aber immer wieder auf, dass es vielleicht auch eine Schaltung mit weniger Gängen bei gleicher Spreizung tun würde. Beim beschleunigen oder runterschalten werden so gut wie nie alle Gänge benötigt - zumeist klackert man die Gänge durch, so dass gerne mal ein bis zwei Ritzel übersprungen werden bis der nächste passende Gang zur persönlichen Trittfrequenz gefunden ist. Was den optimalen Trittfrequenzbereich angeht ist der Performance CX relativ anspruchslos - zwischen 55 und 110 Umdr./min ist die gefühlte Unterstützung sehr gleichmäßig.

Fazit zum Brose Drive e-MTB Mittelmotor

Brose:

Ist der Motor an? Ja! - man fühlt es, hört es aber nicht wirklich. Dies ist eines der wesentlichen Merkmale, welche uns im Vergleichsmodus "Tour" sofort auffallen. Die gefühlte Unterstützung ist unter allen Bedingungen zuverlässig und dossiert zu erfahren. Die Kombination zwischen 1fach 36er Blatt auf der Kurbel und dem klassischen 10fach XT Schaltsystem ist für klassische Mittelgebirgstouren mit mäßigen Steigungen bis zu 15% eine solide Sache und lässt keine Wünsche offen. Zumeist mit einer Kadenz um die 75 Umdr./min. bewegt, ist der Brose Antrieb ein zuverlässiger Begleiter. Ein weiterer positiver Aspekt ist der entkoppelte Antrieb bei Geschwindigkeiten über der gesetzlich festgelegten 25km/h Grenze. Hier wird deutlich spürbar, dass das Bike gegenüber den Kontrahenten besser weil leichter Bergab beschleunigen lässt - unter Berücksichtigung des Mehrgewichts eines e-MTB in etwa vergleichbar mit einem klassischen MTB. Ansonsten sei noch angemerkt dass eine weitere Unterstützungsstufe um den mittleren Bereich herum sinnvoll wäre da bei längeren leichten Steigungen der passende Unterstützungsgrad fehlt.

Fazit zum Yamaha e-MTB Mittelmotor

Yamaha:

Auch der Yamaha Antrieb ist im Teillast Betrieb akustisch kaum auszumachen. Im klassischen Tourentrittfrequenzbereich zwischen 60 und 80 Umdr./min, läuft der Japaner zuverlässig mit. Das Zweifach Kettenblatt auf der Kurbel ist unserer Ansicht nach nicht wirklich notwendig, denn selbst mit der klassischen 10fach Shimano XT Schaltsystem fahren wir die Tour zumeist auf dem kleinen 32er Blatt. Das große 44er kommt wenn überhaupt nur in kurzen Bergab Etappen zum Einsatz. Da es auf unserer Tour im Mittelstück ständig Bergauf und Bergab geht zeigt sich in der Praxis, dass die Bergab Stücke nicht noch zusätzlich aktiv getreten werden - diese dienen eher zur kurzen Erholung.

Die Unterstützungsstufen sind gut abgestuft und ermöglichen je nach persönlichen Bedürfnissen und Strecke eine passende Unterstützungsstufe.

Fazit Tour Performance:

Der Anspruch an ein Anriebssystem auf Tour ist relativ gering. Hier spielt in erster Linie die Zuverlässigkeit die entscheidende Rolle und in dieser Eigenschaft können alle Mittelmotorsysteme als treue Begleiter bezeichnet werden. Dies ist zugleich ein erfreuliches Zeugnis dafür, dass alle Antriebshersteller ein funktionierendes System bieten. Für den klassischen Tourenfahrer werden hier also in erster Linie der Preis, Lautstärke des Antriebs sowie Optik die ausschlaggebenden Faktoren sein.


Vergleich unter voller Last

Bosch Performance CX

Der Sommer scheint sich langsam aber ständig zu etablieren und so hatten wir auch bei dieser Ausfahrt Außentemperaturen von knapp 30°C. In Kombination mit der anspruchsvollen Strecke über eine Länge von knapp 12km und einem permanenten Gesamtanstieg mit durchschnittlichen 8% über 1000Hm eine große Herausforderung für ein eBike System.

Um das System, bestehend aus Motor / Akku und Steuereinheit auch tatsächlich an das Limit zu bringen, erfolgt die Fahrt in der höchsten Unterstützungsstufe. Bei Bosch besteht diese aus der Stufe TURBO, dabei wird der Motor aus einem großen 500Wh Akkupack mit Energie versorgt.

Die Strecke zwischen der Stadt Waldkirch im Breisgau und dem Kandel (1243m) im Südschwarzwald nutzen wir mittlerweile regelmäßig um Antriebssysteme einer Art Stresstest zu unterziehen. Nebenbei liegt die Strecke nur unweit unseres Redaktionssitzes und bietet zahlreiche spannende und mitunter äußerst anspruchsvolle Abfahrtsvarianten. Ein e-MTB kann hier also direkt vor unserer Haustüre umfassend erfahren werden. Den Verlauf über diese Strecke haben wir in einem Video dokumentiert und während der Fahrt kommentiert.

 

Der Bosch Performance CX Antrieb bestätigt auch auf dieser anspruchsvollen Strecke das positive Gesamtbild der vorausgegangen Vergleichsfahrten. Schwächen zeigt der Antrieb keine erkennbaren, lediglich der gering höhere Energieverbrauch fällt etwas auf. Im Gegenzug muss dazu die abgelieferte Leistung aufgewogen werden, womit der Energieverbrauch absolut in Ordnung geht und daraus resultierend die Effizienz des Antriebs top ist.

Positiv erwähnenswert ist die gigantische Kraftentfaltung welche sich in einem gleichmäßigen und kontinuierlichen Schub bemerkbar macht, dies über einen sehr hohen Trittfrequenzbereich von 60 - 110 Umdr./min.. Die Fahrzeit für diese Strecke belegt diesen Eindruck - in etwas über 33 min. die 1000 Hm zu fahren hat vielleicht wenig mit klassischem Mountainbikesport zu tun, zeigt aber im Gegenzug die enorme Potenz des jüngsten Bosch Antriebs auf.

Brose

Der Brose Antrieb legt zunächst, wie aus unseren anderen Versuchsreihen bekannt, zuverlässig und mit spürbarer Unterstützung los. Die erste kräftige Steigung um die 20% bewältigt er dabei ordentlich und gleichmäßig mit einer Geschwindigkeit um die 12 km/h. Im weiteren Verlauf liegt die Geschwindigkeit bei einer gemäßigten Steigung um die 16 km/h.

Nach 330 Hm zeigt sich ein erster Rücksetzer der Unterstützungsleistung - hier fällt der Antrieb zwar nicht komplett aus, jedoch fühlt es sich so an als wäre nur noch minimale Kraft verfügbar. Hierbei bleibt die höchste Stufe "Sport" nach wie vor gewählt, die Geschwindigkeit fällt jedoch deutlich auf etwa 11 km/h zurück. Im Display ist auf diesen Rücksetzer kein Hinweis zu erkennen. Nach etwa 30 weiteren Höhenmetern steht dann plötzlich wieder die volle Leistung zur Verfügung und es geht im gewohnten Speed weiter. Dieses Wechselspiel erstreckt sich über die gesamte Distanz. Dabei wird der Antrieb mit zunehmendem Streckenverlauf deutlich lauter, mit jedem Tritt in das Pedal ist ein "Sägen" zu vernehmen.

Dem Brose Antrieb versagt die Unterstützung unter dieser Volllast jedoch nie ganz. Somit ist gewährleistet, dass das System zumindest mit reduzierter Leistung immer funktioniert.

In dieser Versuchsfahrt wurde die Schwäche des Brose Mittelmotors deutlich. Vermutlich gibt es hier unter diesen extremen Bedingungen, bestehend aus hohen Außentemperaturen und permanenter Steigung, ein thermisches Problem im Antrieb. Ähnliches hatten wir bereits auf dieser Strecke mit einem Hecknabenmotor feststellen können. Zuviel Wärme im Antrieb entsteht meist dann, wenn die Energie nicht in Vortrieb umgesetzt werden kann - die Konsequenz daraus ist, dass das intelligente System die Leistung reduziert um eine weitere thermische Belastung zu umgehen.

Das dieses Verhalten nicht schon bereits auf unseren Versuchsfahrten aufgetreten ist, dürfte zum einen an den Außentemperaturen gelegen haben, zum anderen bietet keine unserer bisherigen Strecken eine solche Dauerlast für ein Antriebssystem.

Yamaha

Bisher war der Yamaha Antrieb auf unseren Fahrten in unterschiedlichem Terrain wie Berg, Tour und Schnee ein zuverlässiger Begleiter. Nun ging es vor einigen Tagen über die Königsdisziplin - die legendäre und teils gefürchtete 1000Hm Strecke auf den Kandel (1243m) im Südschwarzwald. Das ganze bei Außentemperaturen um die 30°C, damit für Mensch und Maschine eine besondere Belastung.

Das besondere an unserer Teststrecke über 1000 Hm ist die Tatsache, das hier dem Antrieb alles abverlangt wird. So gibt es hier eine durchgehende Steigung, welche zu Beginn gleich kräftig mit über 20% aufschlägt. Danach geht es gemäßigt aber permanent weiter über Waldwege und Straße. Anfangs wird dem Antriebssystem also gleich volle Leistung abverlangt und danach geht es unter permanenter Dauerlast weiter bis zum Gipfel. Keine Verschnaufpause für Mensch und Maschine.

Gerade hier zeigt sich, ob ein System zuverlässig arbeitet. Der Streckenverlauf und die dabei gewonnenen Erkenntnisse sind in einem Video aufgezeichnet. Parallel dazu, die GPS Daten der Fahrt in diesem Artikel eingebunden.

 

Der Yamaha Mittelmotor mit seinem 400 Wh Akkupack ist ein grundlegend zuverlässiger und genügsamer Begleiter. Sämtlichen Anforderungen kam der durchaus flotte Japaner ohne zu murren nach - egal ob große Steigung oder ausdauernde Anstiege unter der höchsten Unterstützungsstufe. Lediglich der sportliche Charakter fehlt etwas, so bricht die Leistung bei Trittfrequenzen über 80 Umdr./min. spürbar ein. Das maximale Drehmoment liegt bei einer Umdrehung von 60 - 80 an. Die Akustik ist selbst unter maximaler Beanspruchung recht zurückhaltend. Der Akkuverbrauch über die gesamte Strecke und der zurückgelegten Zeit beachtlich genügsam - dies spricht für ein effizientes System mit hohem Wirkungsgrad.

Der Yamaha Antrieb ist ausgereift und zuverlässig. Für den sportlichen Einsatz in Verbindung mit hohen Trittfrequenzen ist dieser Antrieb eher nicht geschaffen. Daher ist eher genügsames Kurbeln angesagt, hier arbeitet der Mittelmotor mit zuverlässigem und gleichmäßigem Schub ohne dabei verschwenderisch mit der Energie aus dem Akku umzugehen. Insgesamt war diese Testfahrt ein wenig unspektakulär, da weder negative Ereignisse noch faszinierende Überraschung zu Tage traten.


Die Zusammenfassung

Das Ergebnis des e-MTB Motoren Vergleichs

In den letzten neun Monaten hatten wir nun die Möglichkeit die drei Antriebssysteme unter vielerlei unterschiedlichen Bedingungen intensiv zu erfahren und dabei Stärken und Schwächen der jeweiligen Antriebe kennen zu lernen. Das besondere hierbei war, dass wir die Mittelmotoren von Brose, Bosch und Yamaha größtenteils direkt miteinander vergleichen konnten. Besonders hier wurden die Unterschiede deutlich.

 

Unser Ziel war es von Anfang an, fernab jeglicher quantitativer Herstellerangaben, die Eigenschaften der Antriebssysteme so zu beschreiben, dass jeder Biker nachempfinden kann wie sich der jeweilige Pedelec-Antrieb anfühlt und in der Paxis nutzen lässt. Zu diesen Zweck haben wir im Wesentlichen drei unterschiedliche Fahrer eingesetzt und die e-Mountainbikes entsprechend dem Einsatzzweck unterschiedlichem Terrain sowie klimatischen Bedingungen ausgesetzt. Die Königsdisziplin bestand hierbei ganz klar in der Bewältigung der 1000 Höhenmeter Strecke bei sommerlichen Temperaturen. Aber auch die anderen Fahrvergleiche auf einer gewöhnlichen Tourenstrecke oder unter winterlichen Bedingungen brachten eine Menge interessante Erkenntnisse.

 

Aus funktioneller Sicht lässt sich sagen, dass die technische Reifen mittlerweile soweit fortgeschritten ist, dass keiner der Antriebe während der gesamten Zeit einen total Ausfall zu verzeichnen hatte. Diese Erkenntnis ist von grundlegender Bedeutung, da e-Mountainbikes häufig in Gegenden bewegt werden, in denen technische Hilfe in Form von Werkstätten nicht in nächster Nähe liegen. Es ist also mittlerweile ohne Probleme möglich ein e-Mountainbike, ohne Sorge um die technischen Besonderheiten, zu bewegen - dies war bis vor einigen wenigen Jahren nicht unbedingt selbstverständlich.

Bosch Performance CX

Mit der jüngsten Generation der Bosch Mittelmotoren hatten wir einen wahren Alleskönner in der Anwendung. In sämtlichen, dokumentierten Fahrsituationen und darüber hinaus, im beinahe täglichen Einsatz auf einem e-Mountainbike im Gelände, zeigte der schwäbische Mittelmotor so gut wie keine Schwächen. Die gesetzeskonforme, gigantische Kraftentfaltung in der höchsten Unterstützungsstufe sucht seinesgleichen und war selbst unter Dauerlast bis zur Erschöpfung des 500 Wh Akkupack nahezu konstant vorhanden. Diese große Leistung erforderte natürlich Energie und so ist ein das große Akkupack schon beinahe Pflicht. Wer jedoch einen der kleineren Unterstützungsstufen mit geringerem Energiebedarf wählt kann hier richtig viele Höhenmeter und Strecke machen. Dies zeigte die Tauglichkeit unter vielerlei Einsatzszenarien im e-MTB Bereich auf, von Trails ballern bis ausgiebigem Touren war hier alles möglich.

 

Im sportlichen Einsatz ging der Bosch CX locker bis Trittfrequenzen über 100 Umdr./min super mit, nach unten hin bis etwa 60 Kurbel Umdrehungen in der Minute stand ebenfalls konstant Leistung an.

Bei der Geräuschkulisse bot der Bosch Antrieb einen eher sonoren, permanent deutlich wahrnehmbaren Klang, dieser unterschied sich jedoch je nach Leistungsanspruch nur unwesentlich. Beim Fahren über 25 km/h, also ohne aktive Hilfe des Elektroantriebes wurde das Pedalieren recht zäh. Hier war ein deutlicher Widerstand wahrzunehmen, für jedermann nachvollziehbar wird dies sobald man den Hilfsantrieb einmal komplett ausschaltet.

Brose Drive e-MTB Motor im Höhenmetertest

Brose:

Der Brose Antrieb hat uns in vielerlei Hinsicht überrascht. Zum einen dominierte bei diesem Antrieb die schöne Integration in den Rahmen, die unter Teillast sehr zurückhaltende Akustik sowie der geringe Tretwiderstand in Situationen ohne Motoruntersützung - beispielsweise über 25km/h.

Im Gegenzug zeigte dieser Antrieb auf unserer 1000 Höhenmeter Strecke bei sommerlichen Temperaturen immer wieder Rücksetzer in der Unterstützungsleistung, ohne das der Motor hier jedoch komplett ausfiel. In der höchsten Unterstützungsstufe unter Dauerlast zeigte sich, dass der Brose im Vergleich zu den Konkurrenten gefühlt die geringste Leistung entfaltete - zudem wurde er mit zunehmender Fahrzeit in dieser Situation recht laut. Bei der Anwendung zeigte sich weiter, dass hier durchaus sportliche Trittfrequenzen etwas über 80 Umdr./min. möglich waren und vom Antrieb gut mitgetragen wurden.

 

Unter winterlichen Bedingungen mit niedrigen Außentemperaturen kam es übrigens zu keinen Einschränkungen bei der Kraftentfaltung, ebenso wenig im Tourprofil mit vielen kleinen Anstiegen sowie im bergauf Intervall. Dies lässt ggf. darauf zurück schließen, dass der Brose Antrieb bei extremen Anforderungen unter thermischen Problemen leidet. Hier wird es interessant zu sehen, ob Brose am Motor für die kommenden Generationen bautechnische Veränderungen in Form von Kühlrippen am Motorgehäuse vornehmen wird um die Wärme besser vom Motor abzuleiten.   

Was die Effizienz angeht, so zeigte sich der große 460Wh Akku als durchaus ergiebig. 1000 Höhenmeter waren selbst in der höchsten Unterstützungsstufe problemlos möglich. Die Softwareversion unseres Brose Bikes ist auf dem Stand von November 2015 und entspricht Version 3.6

Der Yamaha e-MTB Motor im großen Motorenvergleich

Yamaha

Der japanische Mittelmotor leistete sich keine wesentlichen Schwächen auf sämtlichen Einsatzgebieten. Er ging zwar subjektiv betrachtet nicht ganz so kraftvoll wie der schwäbische Kontrahent zur Sache, überzeugte aber im mittleren Trittfrequenzbereich zwischen 60 und 80 Kurbelumdrehungen mit einer gleichmäßige und konstante Unterstützung selbst unter längerer Volllast. Das Pedalieren über einer 80er Kadenz war nicht die Stärke des schlanken Japaners, hier fällt die Untersützung spürbar ab, so dass man sich gezwungen sah einen größeren Gang einzulegen. Mit 400 Wh war das Akkupack des Yamaha an unserem Testbike der kleinste Energiespeicher. Dennoch reicht auch hier die Energie für eine Fahrt auf 1000Hm / 12km Streckenlänge in der höchsten Unterstützungsstufe locker aus um das Ziel zu erreichen. Die Vierkant Kurbelaufnahme wirkt nicht mehr zeitgemäß, bereitete jedoch in den vergangenen Monaten keinerlei Probleme.

 

Akustisch betrachtet ging es beim Yamaha Mittelmotor recht leise zugange. Hier war meist ein hochfrequentes Surren zu entnehmen, welches nicht unangenehm in Erscheinung trat. Auch unter langer Volllast veränderte sich die Geräuschkulisse nicht wesentlich.

Beim Losfahren in steilem, rutschigem Gelände wäre ein etwas sensibleres Ansprechverhalten angenehm. Hier ging es doch zeitweise etwas ruppig los, so dass das Hinterrad auch gerne mal die Traktion verlor. Mit einer geübten Fahrtechnik konnte man hier mit der Hinterradbremse gegenbremsen um so das Drehmoment unter Kontrolle zu halten.


Fazit

Nach neun Monaten intensivem Fahren der Mittelmotor Antriebssysteme ergibt sich ein recht deutliches Bild. Hier sei zunächst erwähnt, dass jeder Antrieb ohne Totalausfall funktioniert. Beim Brose Mittelmotor gibt es jedoch erkennbare Defizite unter Volllast (siehe Video 1000 Hm Distanz) in der Form, dass der Antrieb eigenständig Leistung zurück nimmt. Bei der maximalen Leistungsentfaltung fühlt er sich als der Antrieb mit der geringsten Unterstützungsleistung an.

Der Bosch CX überzeugt durch ein umfangreiches und zuverlässiges Einsatzgebiet und lässt bei keinem unserer Fahrer Wünsche offen. Ob in sportlichen, hohen Trittfrequenzen, ausgedehnten Touren mit kleiner Untersützung oder rekordverdächtigen Vollgas-Aktionen über 1000 Hm - alles problemlos mit dem Performance CX machbar. Wenn nun die Akustik des Motors noch etwas leiser wird wäre das System nahezu perfekt zum aktuellen Zeitpunkt.

Mit einem Yamaha Antrieb macht der e-Mountainbiker vieles richtig. Zuverlässig und vielleicht ein wenig unspektakulär ist dieser Antrieb ein guter Begleiter für den gemäßigten Biker. Lediglich in höheren sportlichen Trittfrequenzen geht der Unterstützungsgrad nicht ganz mit. Wer auf diese Eigenschaften eingehen kann findet bei Bikes mit Yamaha Antrieb evtl. eine preislich interessante Variante.

 

Solltet ihr noch weitere Fragen, Hinweise oder eigene Erfahrungen zu diesem Vergleich loswerden wollen, so  steht euch die Kommentarfunktion hierfür zur Verfügung.

 

Die verschiedenen Motoren gibt es an folgenden e-MTBs zu finden:

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