MIT DEM R Raymon Trailray E 10.0 im WIENERWALD

Das R Raymon Trailray 10.0 e-MTB im Test

Es ist Anfang Dezember. Eigentlich sollte nun die stille Zeit des Jahres beginnen und die Bike-Saison langsam von Glühwein, Keksen und Schnee abgelöst werden. Doch heuer ist irgendwie alles anders. Österreich befindet sich im zweiten Lockdown des Jahres, die Geschäfte sind zu, Schüler lernen (oder auch nicht) von zu Hause aus und statt grauslichem Mistwetter lacht die Sonne bei 15 Grad vom Himmel. Ok, während niemand Ersteres braucht, bin ich über Letzteres so gar nicht böse. immerhin habe ich ja jetzt viel Zeit, um die neuen Bikes der Saison 2021 zu testen. Und mit dem R Raymon Trailray E 10.0 ist gerade ein neues Enduro eingetroffen, das auf dem Papier eine hervorragende Figur zu einem mehr als fairen Preis macht.


Volle Power bei der Ausstattung

Angetrieben wird die rote Schönheit vom Yamaha PW-X2 Motor und einem großen 630er Simplo Akku – natürlich formschön ins Unterrohr integriert und entnehmbar. Auch die übrige Ausstattung ist von gehobenerer Güte: Fox Performance Gabel mit 160 mm Federweg und 36er Standrohren, ebenso 160 mm Fox DPX 2 Performance Federbein, XT/SLX 12-fach Schaltung, Shimano BR-MT520 4-Kolbenbremse mit großen Scheiben vorne und hinten und fette 2,60 er Schwalbe Bereifung. Die restlichen Anbauteile wie Sattel, Lenker und Dropperpost kommen größtenteils aus der hauseigenen Schmiede. Und das alles zu einem, wie bereits erwähnt, äußerst attraktiven Preis von 4.999 €. 

Auch das übrige Lineup der Modellreihe kann sich sehen lassen: Suntour/Rockshox Federung, Deore 10-fach Schaltung und Tektro-4 Kolbenbremsen sowie wie bei den „Großen“ der Top Motor "PW-X“ und der 630er Simplo Akku für 3.999 € im Trailray E 8.0 sind eine Ansage. Das Top Modell Trailray E 11.0 für 5.599 € glänzt mit Fox Factory Fahrwerk mit Grip2 Kartusche und 38er Standrohren, SRAM G2 RSC 4-Kolbenbremsen, GX Eagle Schaltung sowie DT Swiss E 1900 Spline 30 Laufrädern.

 


Ein Allrounder mit passenden Geometrien

Das Fox Fahrwerk am R Raymon Trailray 10.0

So, genug der Vorrede (und Vorfreude) – los geht`s. Beim ersten Rundgang fällt sofort der sehr schön, rot/schwarz glänzend lackierte Rahmen auf. Diese schwarz roten Details finden sich auch auf Laufrädern, Sattel, Akku-Cover und Gabel – sehr stimmig.

 

Das Fahrwerk arbeitet, wie man es von Fox gewohnt ist, sensibel und schluckfreudig, bei härterer Gangart aber mit genügend Endprogression. Die Kinematik zeigt sich erstaunlich ruhig. Ich bin im Test das Fahrwerk immer offen gefahren und nicht einmal im Wiegetritt war das Wippen störend, im Sitzen sowieso nicht. Stufen, verblockte Abfahrten und Sprünge sind mit dem Trailray E 10.0 kein Problem, sicher auch nicht der Bikepark-Einsatz, das konnte ich aber auf den eher gemäßigten Trails im Wienerwald nicht testen. Das Rad ist aber kein ultra-sportliches Vollgas-Enduro, sondern schielt meinem Geschmack nach eher in Richtung All-Mountain-Segment – im besten Sinne des Wortes. Es ist durch die langen Kettenstreben und des Bauart-bedingten hohen Gewichtes über 25 kg aber auch nicht übermäßig wendig. In engen Kurven verlangt das Rad doch etwas Nachdruck. Insgesamt also ein toller Allrounder mit genügend Reserven für auch schwierige Abfahrten und Trails. Die Bremsen und Schaltung werkeln auf hohem Niveau, was bei den hochwertigen Shimano-Komponenten kein Wunder ist. 

 

 

Was weiter ins Auge sticht, ist der Laufradmix. Vorne kommt für ein besseres Überrollverhalten und Laufruhe ein breiter 29er Reifen zum Einsatz, hinten für mehr Wendigkeit und ein verspieltes Handling ein 27,5er. Diese Kombi scheint im neuen Modelljahr im Allmountain/Enduro Segment immer populärer zu werden. Auch andere Hersteller, wie Focus z.B., setzen auf diesen Mix. Die Geometrie ist nicht extrem gezeichnet – der Lenkwinkel ist mit 66 Grad nicht ultra-flach, wie wir das bei anderen Enduros der neueren Generation kennen. Die Kettenstreben sind trotz des 27,5-er Hinterrades mit 475 mm lang, der Reach mit 460 in Größe M moderat. 

 

Man sitzt relativ aufrecht, nicht zu gestreckt, hat aber trotzdem guten Druck auf dem Vorderrad. Durch den recht flachen Sitzwinkel (72,5 Grad) und dem kleinen Laufrad hinten, tritt man etwas von hinten und muss auf wirklich steilen Stichen das Gewicht etwas nach vorne verlagern. Aber durch die langen Kettenstreben bleibt das Vorderrad auch im Steilen am Boden kleben und zeigt auch bei unruhigem Untergrund keine erhöhte Steigungstendenzen. 


Was hat der Yamaha PW-X2 Motor zu bieten?

Stefan Wallner auf dem R Raymon Trailray E 10.0

Und der Motor? Der Yamaha PW-X2 wurde im Modelljahr 2020 neu überarbeitet und geht unverändert ins neue Modelljahr 2021 über. Er ist kein Leichtgewicht und seine Einbaumaße sind massiver als die neue Motorengeneration von Bosch und Shimano. Mit seinen 80 Nm Drehmoment, der durchzugsstarken Charakteristik und der leisen, laufruhigen Art spielt er aber im Top-Konzert der Großen absolut mit.

 

Sehr positiv war ich vom Leerlaufverhalten überrascht: Die ersten 5 flachen km bis zum Traileinstieg bin ich ganz ohne Motorunterstützung gefahren. Auch an der Grenze bei 25/26 km/h erfolgt der Übergang sehr harmonisch, ohne das Gefühl des abrupten Abbremsens. Die Geräuschkulisse ist unaufdringlich leise, die Unterstützungsstufen gut abgestimmt (und per App anpassbar), mit ordentlich Bums in den höheren Stufen. Die Sensorik spricht schnell und präzise an und gibt von unten heraus schon viel Kraft frei – der Bosch CX arbeitet hier aber eine Spur feinfühliger.

 

Neu in der überarbeiteten Version ist ebenso, dass man auch bei hoher Trittfrequenz noch mit ordentlich Unterstützung rechnen kann, was meiner eher sportlichen Fahrweise gut entgegen kommt. Abgerundet wird das Ganze noch durch eine gut funktionierende Automatik-Funktion. 

 

Die hauseigenen Anbauteile wie z.B. die Vario-Sattelstütze funktionieren gut. Der Sattel ist straff-bequem, der breite Lenker angenehm gekröpft. Die grobe Magic Mary Bereifung vorne erzeugt ordentlich Traktion, während der Hans Dampf hinten ansprechend Grip erzeugt und gut rollt. Man fühlt sich von Anfang an wohl auf dem Bike, es funktioniert einfach hervorragend. Kleine Kritikpunkte sind die technisch umständlich gemachte Akku-Cover-Fixierung, was die Akku-Entnahme etwas fummelig macht sowie die etwas antiquierte Lösung mit dem Speichenmagnet. 

 

Der breite Lenker am Trailray E 10.0 von R Raymon

Fazit zum R Raymon

Alles in allem ist das Enduro-Fully der Schweinfurter Bike-Schmiede eine echte Überraschung im neuen Modelljahr und ein echter Preis-Leistungs-Geheimtipp, der sich vor den bekannteren und renommierten Marken absolut nicht verstecken muss. Kommt vorbei und überzeugt euch selbst - ab sofort in der e-motion e-Bike Welt Wien.


Ausstattungsdetails R Raymon Trailray E 10.0

R Raymon TrailRay 10.0 2021

 

Motor: Yamaha PW-X2, 250W
Akku : 630 Wh
Display: Yamaha Display A, LCD
Schaltwerk: Shimano Deore XT, RD-M8100, 12-Gang
Kassette: Shimano, CS-M7100, 10-51 Zähne
Bremsen: Shimano BR-MT520, 203 mm
Felgen: MACH1-TRUCKY30
Reifen: v: Schwalbe Magic Mary 29", h: Hans Dampf 27,5"
Dämpfer: Fox Float DPX2 Performance, 160 mm
Gabel: Fox Float 36 Performance, 160 mm
Lenker: R Raymon 35
Sattelstütze: R Raymon 31.6
Sattel: R Raymon MTB
Gewicht:  -
zul. Gesamtgewicht: 130 kg
Preis: ab 4.999,- € UVP
Motor: Yamaha PW-X, 250W, 80 Nm
Akku : 500 Wh
Display: Yamaha Simple Meter
Schaltwerk: SRAM NX, 11-Gang
Kassette: SRAM, PG-1130
Bremsen: Magura MT Trail Sport, 203 vorne, 180 mm hinten
Felgen: Ryde, Disc 35
Reifen: Schwalbe, Nobby Nic, Performance Addix 27,5"
Dämpfer: SR Suntour Duair LO-R 
Gabel: SR Suntour Auron, 160 mm
Lenker: R Raymon Components
Sattelstütze: R Raymon Components, Dropper Post
Sattel: R Raymon Components
Gewicht: -
zul. Gesamtgewicht: -
Preis: ab 4.299,- € UVP

Geometriedaten R Raymon Trailray 2021

Geometrie  S M L XL
Sitzrohrlänge [mm] 390 430 470 510
Sitzwinkel [°] 72,5 72,5 72,5 72,5
Steuerrohrlänge [mm] 120 120 140 140
Lenkwinkel [°] 66 66 66 66
Oberrohrlänge [mm] 595 615 639 659
Kettenstrebenlänge [mm] 475 475 475 475
Radstand [mm] 1240 1260 1288 1308
Reach [mm] 440 460 480 500
Stack [mm] 621 621 639 639
Geometrie  40 44 48 52
Sitzrohrlänge [mm] 400 440 480 520
Sitzwinkel [°] 74 74 74 74
Steuerrohrlänge [mm] 120 125 130 135
Lenkwinkel [°] 67 67 67 67
Oberrohrlänge [mm] 580 600 620 640
Kettenstrebenlänge [mm] 475 475 475 475
Radstand [mm] 1182 1202 1223 1243
Reach [mm] 407 426 445 463
Stack [mm] 603 607 612 616

Unser Testfahrer: Stefan Wallner

e-MTB Testfahrer Stefan Wallner

Stefans Herz hängt am e-Mountainbikesport in all seinen Facetten, ob in seinem e-Bike Shop oder in seiner Freizeit! Seit 11 Jahren ist der Shopinhaber aus Wien bereits auf dem Mountainbike unterwegs - und das mindestens zwei Mal in der Woche. Am liebsten Fährt er schöne flowige Trails, die auch gerne einmal etwas anspruchsvoller sein dürfen, im Bikepark fühlt er sich aber ebenso zuhause. Und wer einmal mit Stefan im Wald unterwegs war, der weiß: In ihm steckt eine Menge Power und noch mehr Fahrtechnik-Wissen, also anschnallen!

 

Seit zwei Jahren hat der Wiener nun das e-Mountainbike für sich entdeckt und ist so überzeugt davon, dass er sogar einen eigenen e-Bike Shop eröffnet hat - natürlich mit einer liebevoll ausgebauten e-MTB Welt, in der er Bikes ausgewählter Hersteller präsentiert. Lest mehr über Stefan!


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