Erster Test - Focus Raven² PRO mit Fazua-Antrieb

Das Focus Raven² Pro e-Mountainbike im Praxistest

Ist es noch ein klassisches Mountainbike oder bereits ein e-MTB? Auf den ersten Blick ist dies beim neuen Raven² gar nicht so einfach auszumachen. Das optische Erscheinungsbild erinnert doch eher an ein klassisches Cross-Country Mountainbike, Antrieb sowie Akku sind hier nicht sofort zu erkennen. Der Grund hierfür ist der neue Fazua Evation Mittelmotor -  klein, leicht und unauffällig ist dieser in das Unterrohr integriert und unterstützt beim Pedalieren bis 25 km/h. Welchen ersten Eindruck das ultraleichte Focus Raven² mit diesem Antrieb hinterlassen hat, bringen wir euch in diesem Artikel näher...

Gewichtsreduktion bei e-Mountainbikes ist der Schwerpunkt für die kommende Saison 2019. Bei Focus hat man die Zeichen der Zeit bereits früh erkannt und die Entwicklungsarbeit konsequent auf diesen Bereich ausgelegt. Zu sehen ist dies seit dem vergangenen Jahr in der Bold² und Jam² Serie und jüngst bei dem Enduro Pedelec Sam² - allesamt mit eigenem Akkukonzept zur Gewichtsreduktion. Gekrönt wird diese Serie nun mit dem Raven². Kernmerkmale des brandneuen Focus Raven² sind das sehr niedrige Gewicht von 15,55 kg (Rahmengröße M) sowie die neue Fazua-Antriebseinheit. Der Rahmen des Cross-Country Hardtails besteht aus Carbon und trägt wesentlich dazu bei, ein e-Mountainbike zu schaffen, welches ganz nah am klassischen Bike angesiedelt ist. Der neue Fazua Mittelmotor-Antrieb, welcher einfach von unten in das Unterrohr eingeknipst wird, ergänzt diesen Ansatz durch seine Charakteristik. Das Ganze wird dann noch gepaart mit leicht laufenden 29er Laufrädern und fertig ist die Speed-Maschine für leichtes Gelände und weite Strecken.


Der Fazua Evation Antrieb

Das Focus Raven² Pro e-Mountainbike im Praxistest

Im Wesentlichen besteht der Evation-Antrieb aus zwei Teilen, dem Drivepack und dem Tretlagergetriebe. Hierbei verfügt das Drivepack über eine Nennleistung von 250 Watt und unterstützt den Biker beim Pedalieren bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h - also klassische gesetzeskonforme Pedelec-Atribute. Die Kraftübertragung in das Tretlagergetriebe erfolgt über eine mechanische Steckverbindung (Sternrad), der Freilauf im Antrieb wird über ein Planetengetriebe generiert. Im Drivepack befindet sich ein austauschbares Akkupack mit 250Wh (36Volt * 7Ah), welcher den Antrieb mit Energie versorgt. Das komplette Drivepack samt Akku wiegt lediglich 3,65 kg. Soviel zum groben Aufbau. Eingeschaltet wird die Antriebseinheit zunächst über einen Schalter an der Stirnseite des Drivepacks oder über die Lenker-Fernbedienung.


Kein brachialer Schub, aber geil!

Bereits auf den ersten Metern mit dem Focus Raven² wird deutlich wie dieser Antrieb arbeitet - er entwickelt im ersten Eindruck nicht die brachialen Drehmomente anderer gängiger Mittelmotoren. In Kombination mit der Carbon-Hardtail-Basis entsteht dennoch ein Gefühl der Leichtigkeit, da der Mittelmotor feinfühlig und beinahe lautlos beim Treten unterstützt und parallel dazu die Massenträgheit des gesamten Bikes kaum auszumachen ist.


Das ist anders, das macht Spaß!

Anfangs fragte ich mich noch, was so ein Antrieb in einem leichten eMTB bringen soll, wenn ich auf der Strecke sowieso meist über der 25 km/h-Grenze unterwegs bin. Die Antwort auf diese Frage lautet: Es verbindet auf raffinierte Art und Weise die klassische, motorlose MTB-Welt mit der elektrisch gestützten Form, in dem Untersützung beim Pedalieren dort erfolgt, wo sie Sinn macht. So nutze ich das Raven² gerne für etwas ausdauerndes Grundlagentraining und um weite Distanzen bei gemäßigter Topografie zurückzulegen. Körperliche Spitzenbelastungen an Steigungen oder bei Gegenwind werden durch die elektrische Unterstützung angenehm gedeckelt.

Wir haben das Focus Raven² Pro e-Mountainbike auf Herz und Nieren getestet

Der Tritt über die 25 km/h-Grenze, an welcher der Motor gesetzeskonform seine Unterstützung aussetzt, ist beim Fahren kaum auszumachen da der innere Widerstand im Motorgetriebe sehr gut entkoppelt und damit nicht zu spüren ist. Besonders bemerkbar macht sich dies bei kräftigen Zwischenspurts in der Ebene - mal eben kurz in die Pedale gedrückt und zack ist man auf 40 km/h. Nimmt man dann etwas Druck raus, kann man trotzdem noch locker über 30 km/h weiter fahren. An der nächsten Steigung dann lässt man sich wieder etwas in den Unterstützungsbereich fallen und bleibt damit weiter im Fluss. Diese Charakteristik ist im e-MTB Bereich neu und faszinierend.

 

Geht es dann doch einmal etwas steiler hinauf, bietet eine der drei wählbaren Unterstützungsstufen bis zu 400 Watt zusätzliche Leistung auf der Kurbel. Hierbei wird erkennbar, dass der Druck auf das Pedal etwas höher sein muss, als es bei den anderen auf dem Markt üblichen Mittelmotoren der Fall ist, um ein spürbares Drehmoment zu entlocken. Bei solchen Szenarien wird deutlich, dass der Fazua-Antrieb bei der Leistungsentfaltung nicht mit den anderen Systemen mithalten kann. Dass will er aber auch nicht, denn die Stärken liegen hier nicht in der maximalen Kraft sondern in der schlanken und leichten Bauweise und der Art wie er sich fahren lässt. 


Raven²: Hobby-Bike oder Sportgerät?

Wir haben das Focus Raven² Pro e-Mountainbike auf Herz und Nieren getestet

Das Focus Raven² ist ganz klar auf den sportlichen Bereich ausgelegt. Dies zeigt sich bereits in der Sitzhaltung, die ist gestreckt, durch den 90 mm Vorbau wandert der Körperschwerpunkt tendenziell Richtung Front. So liegt man auf dem Bike schnittig im Wind, der Tritt in das Pedal wird kompromisslos in Vortrieb umgewandelt, was in der Summe einfach viel Spaß macht, da es richtig schön vorwärts geht. Die 29" Laufräder laufen extrem gut und sind eine perfekte Ergänzung zum Carbon-Rahmen und dem Fazua-Antrieb. Die Bereifung in Form der Contintal Race King bietet eine gute Mischung aus leichtem Grip und gutem Abrollverhalten, passt wunderbar zu diesem schnittigen Hardtail.

 

Das Focus Raven² Pro e-Mountainbike im Praxistest

Bei den Bremsen kommt eine klassische Shimano XT Komponente mit einer 180 mm Scheibe in der Front und 160 mm im Heck zum Einsatz. Da das Bike den Renngenen entsprechend wenig gebremst wird, sondern immer Laufen möchte, erscheint mir die Wahl dieser Bremsanlage als eine gute. Hohe Geschwindigkeiten jenseits der 50 km/h können schnell und sicher verzögert werden, auch über eine längere Distanz. Die Fox Federgabel mit 32er Standrohren bietet 100 mm Federweg und trägt so dazu bei, die Front kontrollierbar zu halten. Dies kann sowohl bei stärker durchsetzten Anstiegen positiv dazu beitragen der Linienwahl sauber zu folgen, als auch bei schnellen Abfahrten den ruhigen Lauf unterstützen. Daneben lässt sich die Gabel über eine Lenker-Fernsteuerung starr stellen, womit dann beispielsweise im Wiegetritt keine Kraft verloren geht.

Leichte Probleme bereitete die Befestigung der Sattelstütze. Da diese ebenfalls aus Carbon ist, muss hier sehr genau auf das Drehmoment am Verschlussring geachtet werden. Dabei verdrehte sich die Sattelstütze in einigen Fahrsituaionen mehrmals leicht, so dass diese neu ausgerichtet werden musste. Alles in allem funktioniert das Bike soweit aber tadellos.


Mein Fazit zum Focus Raven²

Wir haben das Focus Raven² Pro e-Mountainbike auf Herz und Nieren getestet

Aufgrund von den konzeptionellen sowie technischen Gegebenheiten ist das Raven² ganz klar für lange, sportliche Touren in leichtem Gelände wie Waldwegen oder der Straßen ausgelegt. Aber auch leichte Trails lassen sich mit der feuerroten XC-Feile noch gut befahren. Persönlich bin ich ja eher der Allmountain und Enduro Biker, dennoch muss ich sagen, dass mir das Focus Raven² mit dem Evation Fazua Antrieb richtig gut gefällt, da es so leicht zu bewegen ist und dabei viele Vorteile aus der klassischen MTB und der neuen eMTB Welt vereint. Neben dem Focus Sam² ist das Raven² als Kontrast dazu aktuell eines meiner Lieblings-Bikes im Stall!



Unser Testfahrer: Julian

e-MTB Testfahrer Julian

Seit beinahe 30 Jahren ist Julian nun schon begeisterter Offroad-Sportler. Nachdem er bereits viele Jahre auf den Singletrails des Südschwarzwaldes unterwegs war, entschied er sich im Jahr 2012 zum ersten Mal für eine spritziges e-MTB anstelle eines herkömmlichen Bikes. Die Bergetappen seiner Heimat machten mit dem Haibike XDURO FS RX e-Fully mit Bosch-Antrieb an Bord gleich noch viel mehr Spaß. Vor allem stellte er fest, dass ihm durch die Unterstützung vom Elektromotor bei steilen Anstiegen mehr Kraftreserven für Sprünge und Drops auf flowigen Trails bleibt, die er am liebsten mit 29“ Allmountain- und Enduro e-MTBs bestreitet. Seine Erfahrungen mit dem e-Mountainbike Sport teilte Julian bis vor Kurzem auf seinem beliebten Blog Pedelec-Biker.de und hat hierfür alle gängigen Elektromotoren von Bosch, Yamaha, Shimano und co. seinem Höhenmetertest unterzogen. Mit seinem großen Know-How rund um Technik und Fahrkunst unter Extrembedingungen ist er nun seit 2018 ein wichtiger Teil von e-MTB.de!