Praxistest -  Specialized Turbo Levo FSR 2019

Das Specialized Turbo Levo FSR 2019 e-MTB im Praxistest

Das neue Specialized Turbo LEVO FSR der 2. Generation ist sicherlich das spektakulärste und beliebteste e-Mountainbike in diesem noch jungen Jahr. Ausgestattet mit großen 29“ Laufrädern und einem 150 mm Fahrwerk ist diese Kombination absolut zukunftsweisend, wie ein Blick auf die Entwicklung im benachbarten Bio-Bike Bereich zweifelsohne erkennen lässt.

Damit hat es Specialized wieder einmal geschafft, den e-Mountainbike Sport maßgeblich zu prägen, Entwicklungstrends zeitnah aufzugreifen und praktisch umzusetzen. In den letzten vier Wochen hatte ich die Gelegenheit, das neue LEVO FSR auf meinen Haustrails am Südschwarzwald ausgiebig zu fahren, dabei hinterließ dieses e-Mountainbike eine Menge umfassender und interessanter Eindrücke, die wir euch hier in Textform und im Video beschreiben!


Das Turbo Levo FSR 2019 in der S-Works Variante

Mit dem LEVO FSR in der S-Works Variante habe ich ein High-End Modell mit viel Carbon am Start. Rahmen, Laufräder, Lenker und Kurbeln sind allesamt Leichtbau und ermöglichen es so, dass dieses Bike mit seinem großen 700 Wh Akku, in Rahmengröße L komplett fahrbereit mit Pedalen (Funn Mamba One-Side Click) auf gerade einmal 21,3 kg beziffert werden kann – sensationell wenn man betrachtet, dass hier ein 29 Zoll Laufradsatz und ein Fahrwerk mit 150 mm Federweg in Front und Heck zu den Basisspezifikationen der LEVO FSR Serie gehören.

 

Dass es hier ein e-Mountainbike Hersteller tatsächlich schafft, geringes Gewicht, ein potentes Fahrwerk, sowie einen großes Akkupack unter einen Hut zu bringen, gebührt großem Respekt und sucht in dieser Kombination bis heute seinesgleichen!

 

Natürlich hat das Ganze in dieser Ausstattungsvariante seinen Preis – 11.299,00€ möchte Specialized für dieses Bike sehen. Für viele von uns sicherlich außerhalb eines realen Budgets. Dennoch repräsentiert das S-Works genau das, was heute im e-MTB Sport technisch möglich ist und daran dürfen sich ab sofort alle messen.

Specialized Turbo Levo 2019 Fully e-MTB im großen Praxistest
Hier wird das agile Fahrverhalten des neuen LEVOS deutlich - aus einem Anlieger lässt sich das Bike dank tiefem Schwerpunkt sehr einfach und mit viel Power heraus drücken.

Die Basis der Turbo Levo FSR Modellreihen 2019

Wer es etwas günstiger mag, hat in der Turbo Levo FSR Serie die Möglichkeit unter zahlreichen Ausstattungsvarianten zu wählen – je nach Budget dürfte hier jeder e-Mountainbiker seine persönliche Variante finden. Das Gute dabei: Egal ob günstiges Einstiegsmodell ab 4599,00€ oder die eben hier beschriebene High-End Variante – die Basis, bestehend aus dem neu konstruierten Rahmen und den großen 29“ Laufrädern im Zusammenspiel mit 150 mm Federweg ist immer Grundbestandteil des Levos der 2. Generation. Ebenso zählt die leichte und leise Brose Drive S-Mag Antriebseinheit, bei Specialized unter dem Titel „2.1 - Custom RX Trailed Tuned Motor“ bezeichnet, zu den Grundbestandteilen jedes neuen Turbo Levo FSR.


Von Levo Generation 1 zu Levo Generation 2

Persönlich fahre ich seit dem Jahr 2017 ein Levo FSR mit Alurahmen und umgerüsteten 29“ DT Swiss Hybrid Laufrädern. Der Grund für die Anschaffung seiner Zeit war das herausragende Fahrgefühl des LEVOs. Dieses ergab sich primär aus der ausgewogenen Rahmengeometrie sowie der leisen und harmonisch zu fahrenden Antriebseinheit. Daneben hat mich das Rahmendesign mit metallic rotem Grundton und neon-gelben Zierelementen absolut angefixt.

 

Nur mit den breiten 27,5x3“ Reifen wurde ich nie richtig warm – für ein schnelles, sportliches und knackiges Fahren im Gelände waren mir diese Reifen immer zu schwammig und unpräzise. Daher die zeitnahe Umrüstung auf die leicht laufenden 29er. Diese Umrüstung brachte jedoch den Umstand mit sich, dass die Rahmengeometrie des Levos FSR der ersten Generation nicht ganz optimal war, das Bike stand nun je nach SAG (Negativfederweg) 2 – 4cm höher als bisher, was sich beim Fahren durch veränderte Hebelkräfte in Längs- und Querrichtung bemerkbar machte. Praktisch betrachtet musste das Levo so in Kurven sensibler gefahren werden und in Steigungen tendierte die Front eher zum Aussteigen. Im Gegenzug kamen nun alle Vorteile von großen Laufrädern voll zur Geltung – viel Traktion, hohe Laufruhe und daraus resultierend, zusätzliche Energieeffizienz.

 

Mit dem Levo der 2. Genration, bei dem die 29“ Zoll Laufräder nun zur Serienausstattung gehören, war es daher für mich besonders spannend zu sehen, wie das Bike konstruiert ist und wie es im Gelände funktioniert!

Das Specialized Turbo Levo FSR in der 1. und 2. Generation
Zur linken das neue Turbo Levo FSR aus dem Jahr 2019 - dem gegenüber zur rechten das Levo der ersten Generation. Beide auf 29" Laufrädern.

Turbo Levo FSR 2019 im Test: erster Eindruck aus der Praxis

Auffälligstes Merkmal dürfte zweifellos die neue Rahmenarchitektur sein. Hier ist das zentrale Rahmendreieck (Oberrohr, Unterrohr, Sitzrohr), also der Schwerpunkt, sehr tief angesetzt. Das Sitzrohr ist sehr kurz gehalten, das daran ansetzende Oberrohr asymmetrisch aufgegliedert, wodurch sich ein weiteres Rahmendreieck ergibt. Das Resultat aus dieser Architektur ist ein sehr steifer Rahmen mit tiefem Schwerpunkt und mit Platz für einen im Unterrohr integrierten 65 cm langen Akku mit bis zu 700 Wh. Ergänzend hierzu wurde der Radstand etwas vergrößert, damit die 29“ Laufräder und 150 mm Federweg in einer Balance mit dem Rahmen bzw. dem tiefen Schwerpunkt stehen.

 

Das Fahrgefühl

Auf dem Trail im Gelände beweist diese Rahmenarchitektur ihre ganze Potenz. Es ist unglaublich, wie niedrig der Schwerpunkt des neues Levos trotz der großen Laufräder ist. Daraus ergibt sich eine ausgesprochen gutmütige Balance des ganzen e-Mountainbikes. Gerade in den letzten Wochen war es doch sehr matschig und man bewegte sich hier ständig am Limit. Dabei ließ sich das Bike immer absolut kontrolliert fahren. Nicht selten kam es vor, dass ich in schnellen knackigen Kurven auf beiden Laufrädern im Drift war; manchmal schon immer etwas auf den Abflug neben den Trail vorbereitet...

 

… aber das Levo lässt sich absolut unaufgeregt und sicher durch den Trail ballern.

Specialized Turbo Levo S-Works FSR e-MTB im Praxistext

Auch in heiklen Situationen ist das Levo FSR immer unter Kontrolle

So manches Mal hörte ich das Levo insgeheim fragen: „Junge, was bist du so aufgeregt? Wir haben hier traktionsstarke 29“ Laufräder und einen Rahmen mit tiefem Schwerpunkt – entspanne dich, wir haben noch viele Reserven bis zum Abflug!“.

 

Und das Levo hatte jedesmal Recht - ich bin bis heute beeindruckt von dieser Performance im Grenzbereich und hatte bis Dato keinen Abflug.

 

Natürlich habe ich das e-MTB dann doch mal etwas provoziert um zu sehen, wann und wie es ausbricht, wenn es die Traktion vollständig verliert. Das Resultat war dann ein dezentes Übersteuern, der Grip auf dem Vorderrad blieb also bestehen und das Heck drehte sich driftend bis zum Stillstand in Fahrtrichtung – also auch hier sehr safe.

 

Auch sonst zeigt sich das neue Levo als sportlich ausgelegtes Allmountain e-Mountainbike. Es liegt hierbei in jeder Situation sehr satt und ruhig im Gelände. Manchmal kam es mir durch das ruhige Fahrgefühl schon etwas langsam vor. Im Vergleich der Sektorzeiten auf meinem 20 km Emmenduro Rundkurs (600 Hm) wurde jedoch deutlich, dass es durchaus schnell unterwegs ist – drei neue Segment-Rekorde sind ein eindeutiger Beleg. Es bleibt festzuhalten, dass dieses Bike sehr ruhig und sicher im Gelände liegt und dabei richtig schnell unterwegs ist.


Balance & Gewichtsverteilung

Eine weitere große Frage, welche mich grundlegend an einem e-MTB interessiert ist die Ausrichtung der Balance. Also wie ist die Gewichtsverteilung im Bike und wie ist der Rahmen im Bezug auf e-Bike spezifische Eigenschaften ausgelegt?

 

Der 700 Wh starke Akku hat ein Gewicht, out of the Bike, von 3,78 kg. Damit ist dieser laut Hersteller 700 g schwerer als der ebenfalls verfügbare kleinere 500 Wh Akku. In der Praxis macht sich dieses hohe Gewicht jedoch in keiner Weise negativ bemerkbar. Vor allem wird dies bei Sprüngen deutlich, während des Absprungs kann ich den „pop“ aus der Gabel gut mitnehmen um an Höhe zu gewinnen. Nach dem Absprung liegt das e-Mountainbike sehr stabil und gleichmäßig in der Luft und es bleibt Zeit den Flug zu genießen. Landungen sind meiner Erfahrung nach immer sehr entspannt verlaufen, auch wenn der Absprung mal nicht so sauber war.

Hier hatte ich auch schon Bikes am Laufen, welche aufgrund des großen Akkugewicht sämtliche Performance und Agilität verloren haben und quasi beinahe wie ein Stein wieder schnell zu Boden fielen.

Das Fahrgefühl auf dem Specialized Turbo Levo FSR 2019 e-MTB

Antrieb und Geometrie: Die Ausgewogenheit des Turbo Levo FSR

Da man mit einem e-MTB aufgrund der Motorunterstützung bequem in der Lage ist intensive Steigungen jenseits der 20% zu bewältigen, ist es hier immer besonders spannend zu sehen, wie die Motorpower zur Geltung kommt. Elementar ist hier das Verhältnis zwischen Kettenstrebenlänge und Traktion des Hinterrades bei maximaler Motorunterstützung.

 

Das Turbo Levo FSR e-MTB von Specialized im Praxistest

Während beim Levo, Generation 1 mit umgerüsteten 29“ Laufrädern die Front in kräftigen Steigungen schnell den Bodenkontakt verlor, arbeitet Levo Nr.2 viel ausgewogener.

 

Der verlängerte Radstand und die Kettenstrebenlänge von 455 mm lassen das e-Mountainbike erst sehr spät in der Front aufsteigen. Ich bin dabei schon fast im Grenzbereich der Motorleistung um die Steigung zu bewältigen bevor die Front den Bodenkontakt verliert.

 

In dieser Fahrsituation zeigt sich, wie ein e-MTB ausbalanciert arbeitet. Kettenstrebenlänge und Motorleistung stehen hier in einem gesunden und effizienten Verhältnis zu einander.

 

Beim L-Rahmen baut mir persönlich im ersten Eindruck die Front etwas zu hoch auf, hier und da bin ich es gewohnt doch etwas mehr Druck auf die Front zu bekommen, indem meine Körperposition etwas tiefer über dem Oberrohr liegt. Hier ließ sich aber mittels Spacer das Cockpit nochmals um 15 mm absenken, womit Korrekturen durchaus ohne großen Aufwand möglich wären. Für die Dauer des Testzeitraums habe ich von dieser Möglichkeit jedoch abgesehen, da solch eine Maßnahme wirklich in den Bereich des Feintunings geht.

 

Das Fahrwerk verfügt wie bereits erwähnt über einen Federweg von 150 mm in Front und Heck und wird durch große 29 Zoll Laufräder ergänzt. Je nach Ausstattungsvariante befinden sich am LEVO FSR speziell auf den Rahmen abgestimmte Gabeln/Dämpfer von RockShox oder Fox. Die Premium S-Works Version ist ausgestattet mit einer Fox Float Gabel mit 36er Standrohren mit der neuen GRIP2 Technologie sowie einem Fox Float Dämpfer, beide aus der Factory Serie. Die Standrohre an Gabel und Dämpfer sind mit golden glänzender Kashima Beschichtung versehen, was das Losbrechmoment zwischen Stand- und Tauchrohr reduzieren soll. In der Praxis funktionieren beide Federelemente hervorragend im Zusammenspiel mit der Rahmengeometrie bzw. der Kinematik.


Das Fahrwerk des Turbo Levo FSR

Das Fahrwerk des Specialized Turbo Levo FSR im Test

Über die mehrstufigen Zug- und Druckstufenregler lässt sich wie gewohnt die Ein- und Ausfahrtgeschwindigkeit der Gabel/Dämpfer regulieren. Hier erfordert die neue GRIP2 Technologie der Fox Float 36 Factory meiner Ansicht nach eine intensive Beschäftigung mit dem Setup, da es hier viele detaillierte Einstellmöglichkeiten gibt. So dauerte es ungewöhnlich lange bis ich ein optimales Gabelsetup gefunden habe, tendenziell verhärtete die Gabel meist zu früh im Federweg wenn nicht optimal abgestimmt.

 

Wenn aber alles stimmt, fällt mir auch immer wieder auf, wie gut die Fox Gabel im Federweg liegt – kaum eine Gabel auf dem Markt verfügt über solch einen harmonischen Dynamik Umfang mit hoher Endprogression wie eine Fox Float Gabel. So tastet diese im ersten Drittel des Federwegs den Untergrund ultrasensibel ab und schluckt dabei feinste Unebenheiten. Im zweiten Drittel dämpft die Gabel grobe Unebenheiten wie Wurzeln oder Steine unaufgeregt weg und sorgt bei härterer Gangart für viel Traktion und Laufruhe. Grobe Schläge, wie sie nach Landungen von Sprüngen vorkommen können, nimmt die Gabel unter Nutzung des vollen Federwegs zuverlässig auf, verhärtet hier gegen Ende des Federwegs sehr deutlich und unterbindet damit das Durchschlagen.

 

Vor allem beim Hinterbau merkt man das Plus an Federweg gegenüber der erste Levo Generation deutlich. Hier sind wesentlich mehr Reserven vorhanden, was sich darin auszeichnet, dass der Federweg einen größeren Arbeitsbereich hat und spürbar deutlich später verhärtet. Die Kinematik des Vier-Gelenk Hinterbaus vermittelt ein gutes Feedback über die Fahrsituation ohne dabei nervös zu sein und unterstützt damit das Hinterrad in Laufruhe und Traktion. Unter den aktuell beschriebenen Bedingungen bin ich das e-Mountainbike mit einem SAG von knapp 30% gefahren, also recht weich abgestimmt.

 

Durch das tiefe Sitzrohr und der damit verbunden Möglichkeit den Körperschwerpunkt tief hinter den Sattel zu bringen kam es in steilen verblockten Abschnitten vereinzelt vor, dass das Gesäß leichten Kontakt mit dem Hinterrad bekam. Mit zunehmender Fahrdauer entwickelte sich jedoch ein Gefühl dafür, wie weit ich die Balance Richtung Heck verlagern kann.

Wir haben das Turbo Levo FSR e-MTB von M1 Specialized für dich getestet

Die Schaltung

Das Levo FSR verfügt in jeder Ausstattungsvariante über eine 11fach Schaltung, womit eine feinstufige Gliederung des Übersetzungsverhältnis gegeben ist. Vor allem beim Pedalieren bergauf unter kleinen Unterstützungsstufen ist es wichtig, keine zu großen Kadenzsprünge beim Gangwechsel zu haben um das e-Mountainbike effizient zu treten, sowie den Motor in seinem optimalen Drehmoment-Bereich halten zu können. Hier beweisen sich 11fach Schaltungen als absolut konform, da sie eine große Übersetzungsbandbreite bieten und fein abgestuft sind.

 

Am S-Works habe ich mit dem großen 42er Blatt und dem kleinen 10 Zähne zählenden Ritzel auf der Kassette somit die Möglichkeit, bergauf bis zu niedrigen 7 km/h und im Gegenzug bergab bis zu 45 km/h gut aktiv pedalieren zu können. Kombiniert ist die 11fach Kassette motorseitig mit einem 32er Blatt, die Übersetzungsbandbreite beträgt 420%.


Der Brose Drive S Mag/Specialized 2.1 Antrieb im Specialized Turbo Levo FSR

Besonderes Augenmerk legt Specialized auf die Antriebseinheit ihrer e-Mountainbikes. Hier kommt seit der ersten Generation ein Antrieb von Brose zum Einsatz, welcher mit einem eigens entwickelten Motormanagement angesteuert wird. Die Grundcharakteristik des Brose Antriebs zeichnet sich durch sehr geringe Betriebsgeräusche aus und dem nahezu von der Motormechanik entkoppeltem Pedalieren ohne Unterstützung, wie es im Geschwindigkeitsbereich über 25 km/h vorkommt.

Brose Drive S Mag e-MTB Motor im Praxistest

Ermöglicht wird dies bautechnisch durch die Kraftübertragung mittels eines Riemens im Inneren des Motors sowie einem Freilauf, welcher dazwischen liegt – andere Hersteller nutzen hier Zahnräder im Motor zur Kraftübertragung, welche logischerweise in Kontakt miteinander stehen und hohe Laufgeräusche verursachen.

 

Mit dem Brose in der Drive S-Mag Version haben wir in den aktuellen Levos die neueste Generation dieses Antriebs im Einsatz. Specialized bezeichnet diesen offiziell als „2.1 - Custom RX Trailed Tuned Motor“ da auch hier wieder eine eigens optimierte Software zur Ansteuerung des e-Mountainbike Systems zum Einsatz kommt.

 

Das neue Magnesiumgehäuse des Motors reduziert das Gewicht gegenüber der vorherigen Version nochmals um 11% was letztendlich in allen Ausstattungsvarianten zur Geltung kommt.

 

Mit einer um 15% verkleinerten Bauform des Antriebs bleibt nun viel Platz im Unterrohr für den bis zu 700 Wh großen Akkupack. Insgesamt stehen zwei Akkuvarianten zur Verfügung, bei den Carbon Modellen S-Works und Expert sind 700 Wh Serie, bei allen anderen darunter liegenden Varianten 500 Wh. Beide Akkutypen verfügen im Inneren über 40 Zellen, welche je in 10 Reihen und in vier parallel verlaufenden Bahnen eine Nominalspannung von 36 Volt bringen.

 

Der entscheidende Unterschied zwischen dem großen und dem kleinen Akku sind die verwendeten Zellen und das daraus resultierende Gewicht des Akkupacks. Beim großen 700 Wh Akku kommen Zellen von Typ 21700 zur Verwendung. Diese Zellen sind noch relativ jung auf dem Markt und mittlerweile auf dem Stand kostengünstig in industriellem Umfang gefertigt werden zu können. Sie verfügen im Levo Akku über eine Kapazität von 4,75Ah womit sich in einem 36Volt System 19Ah ergeben. Diese Zellen werden auf absehbare Zeit die bisher weit verbreiteten, kleineren Modelle von Typ 18650 ablösen, da damit im Verhältnis größere und leichtere Energiespeicher gebaut werden können.

 

Der 500 Wh Akku hingegen verfügt noch über klassische 18650 Zellen und ist nach Herstellerangaben mit 2,9 kg um die 700 g leichter. Die Baugröße des Akkupacks ist bei beiden Akkutypen die gleiche. Entnommen werden kann der im Unterrohr integrierte Akku durch das Entfernen einer Flachkopfschraube, damit ist dieser unabhängig vom Bike aufladbar.

 

Soviel zu den Hintergrundinformationen des Antriebssystems und des Energiespeichers.


So fährt sich der Specialized Custom 2.1 Antrieb

Unterwegs auf dem e-Mountainbike zeigt sich wie harmonisch und kraftvoll der Brose Antrieb zu fahren ist. Vor allem in den kleinen Unterstützungsstufen um die 30%, wie ich es häufig fahre, macht der Antrieb richtig Spaß, da das Gefühl aufkommt, dass die investierte Muskelkraft tatsächlich primär in Vortrieb umgesetzt wird und nicht in der Motormechanik versumpft. Daneben ist die Kraftentfaltung beim Druck auf das Pedal sehr natürlich direkt aber nicht brachial. Ein gutes und angenehmes Gefühl.

 

Lediglich unter maximaler Motorpower läuft der Brose Antrieb gerne einmal etwas nach, hier ist es in filigranen Fahrsituationen wie etwa bergauf in einem Trail hin und wieder notwendig mit der Hinterradbremse den Nachlauf etwas zu regulieren.

Wir haben das Turbo Levo FSR e-MTB von Specialized für dich getestet

Positiv hingegen gestaltet sich die leichte Nachlaufeigenschaft beim Gangwechsel bergauf, da hier beim Einlegen in den nächst größerer Gang kurzzeitig ein erhöhtes Drehmoment anliegt, was das Pedalieren harmonischer gestaltet, da die gewählte Trittfrequenz konstant bleibt.


Die Specialized Mission Control App

 

Mit der Specialized „Mission Cotroll“ App für mobile Endgeräte habe wir die Möglichkeit die drei aktiven Unterstützungsstufen ECO, TRAIL und TURBO individuell zu definieren, womit sich die Leistungsentfaltung des Antriebs und der damit verbundene Energieverbrauch sehr genau abstimmen lassen. Darüber hinaus bekommen wir einen kleinen Einblick über den Zustand von Motor und Akku. Anwenderfreundlich wäre die Möglichkeit, Software Updates OTA (Over the Air), also über das Internet, bzw. Smartphone einspielen zu können – hier ist aber aktuell nach wie vor der Gang zum Händler erforderlich.

  

Über die umfangreichen Möglichkeiten der Mission Controll App werde ich nochmals in einem separaten Artikel ausführlich berichten, denn hier gibt es noch einige weitere Möglichkeiten beim Energiemanagment und der Tourenplanung.

 

Mission Control App 2.0 zum individuellen Anpassen der Motorsteuerung und zur Routenaufzeichnung


ein bisschen Verbesserungsbedarf

So wie kaum jemand (oder etwas) ist auch die zweite Generation des Levos nicht zu 100% perfekt. So weisen die aktuell ausgelieferten Modelle einige Besonderheiten im Bereich des Hinterbaus auf. Eine unglückliche Konstruktion der ersten Serienmodelle ist die Wippe am Sitzrohr. Dieses sitzt so dicht, dass sich beim Einfedern durch die geringen Spaltmaße Unrat wie Steine zwischen diesem Teil und eben dem Sitzrohr verklemmen können. Hier sollen alle zukünftig ausgelieferten Modelle über eine Schwinge mit einem größeren Abstand zum Sitzrohr hin verbaut sein, womit dieses Problem der Vergangenheit angehören dürfte.

 

Weiteres Manko an den aktuell auf dem Markt befindlichen Levos ist ein großer Spalt am hinteren Ende des Motorcovers. Hier schaufelt das Hinterrad, vor allem in eingefedertem Zustand, jede Menge Matsch über diesen Spalt in die Motorverschalung. Hat technisch keine Konsequenzen, ist jedoch etwas unschön, da sich in diesem Bereich zahlreiche gedichtete Stecker befinden. Hier wird es ebenfalls eine kleine bautechnische Ergänzung geben, womit das Problem behoben werden sollte.

Specialized Turbo Levo FSR 2019 Spalt an der Hinterradschwinge.
In dem kleinen Spalt zwischen Hinterradschwinge und Hauptrahmen kann sich Dreck ansammeln.

Test-Fazit: Specialized Turbo Levo FSR 2019

Lange Zeit habe ich darauf gewartet, dass endlich ein e-MTB Hersteller ein Bike bringt, welches mit großen 29“ Laufrädern sowie einem ordentlichen Federweg von mindestens 150 mm daherkommt. Specialized hat diese aktuelle Entwicklung bereits früh erkannt und nun eine ganze Serie mit diesem Ausstattungsfeature präsentiert.

 

Das neue Levo FSR fährt sich im Gelände grandios, es liegt ultrasatt und die großen Laufräder vermitteln viel Ruhe bei Fahrten über unruhiges Gelände – drei neue Segment-Rekorde auf meinem Emmenduro-Rundkurs mit diesem Bike belegen den Speed.

Unsere Eindrücke vom Specialized Turbo Levo FSR in der Praxis

Die Rahmengeometrie vermittelt eine sportlich komfortable Haltung und bietet viel Potenzial für eine breite Nutzerschicht. So ist das Levo sowohl auf ausgedehnten Touren als auch im anspruchsvollen Gelände immer ein zuverlässiger Begleiter.

 

Das e-Bike System rund um den Brose Antrieb und der Specialized Software arbeitet ausgesprochen harmonisch und unterstützt unaufgeregt und kraftvoll beim Pedalieren. Damit ergibt sich ein sehr angenehm zu fahrendes Bike, welches viel Reserven bei anspruchsvollen Geländefahrten bietet. Mein persönlicher Favorit ist die Modellvariante mit Carbon Rahmen und kleinem leichten 500 Wh Akku – das LEVO FSR Comp Carbon zum Preis von knapp 6800€.

Fotos: Hieronymos Gottschaldt


Video: Turbo Levo FSR Testfahrt


Aufzeichnung einer unserer Testsfahrten bei Strava


Weitere Links zum Thema


Unser Testfahrer: Julian

e-MTB Testfahrer Julian

Seit beinahe 30 Jahren ist Julian nun schon begeisterter Offroad-Sportler. Nachdem er bereits viele Jahre auf den Singletrails des Südschwarzwaldes unterwegs war, entschied er sich im Jahr 2012 zum ersten Mal für eine spritziges e-MTB anstelle eines herkömmlichen Bikes. Die Bergetappen seiner Heimat machten mit dem Haibike XDURO FS RX e-Fully mit Bosch-Antrieb an Bord gleich noch viel mehr Spaß. Vor allem stellte er fest, dass ihm durch die Unterstützung vom Elektromotor bei steilen Anstiegen mehr Kraftreserven für Sprünge und Drops auf flowigen Trails bleibt, die er am liebsten mit 29“ Allmountain- und Enduro e-MTBs bestreitet. Seine Erfahrungen mit dem e-Mountainbike Sport teilte Julian bis vor Kurzem auf seinem beliebten Blog Pedelec-Biker.de und hat hierfür alle gängigen Elektromotoren von Bosch, Yamaha, Shimano und co. seinem Höhenmetertest unterzogen. Mit seinem großen Know-How rund um Technik und Fahrkunst unter Extrembedingungen ist er nun seit 2018 ein wichtiger Teil von e-MTB.de!