Höhenmetertest mit dem Fazua Evation antrieb

Der Fazua Evation e-Bike Antrieb im Test über 100 Höhenmeter

Seit einigen Monaten haben wir das Focus Raven² PRO mit dem brandneuen Fazua Evation Antriebssystem im Fuhrpark. Unseren ersten Eindruck zum Antrieb und zum Bike haben wir bereits festgehalten, nun ging es darum zu sehen, was der Evation Antrieb mit seinen speziellen Eigenschaften kann. Darum habe ich das leichte Raven² über unsere 1.000 Hm-Strecke auf den Kandel im Südschwarzwald gejagt. So viel sei schon einmal verraten: Das Ergebnis hat uns überrascht!

 

Fazua ist ein StartUp Unternehmen aus bayerischem Lande mit Hauptsitz in der dortigen Hauptstadt München. Bereits seit 2013 beschäftigt sich das junge Entwicklungsteam um die Geschäftsführer Johannes Biechele und Fabian Reuter mit der Idee und der anschließenden Entwicklung des interessanten Antriebskonzepts. Das Ziel des Fazua Antriebs ist es, das Fahrgefühl noch näher an ein klassisches Bike zu bringen und parallel dazu den Antrieb optisch unscheinbar zu machen.

 

Unserem ersten Eindruck nach, ist dies im XC-Pedelec Focus Raven² PRO bereits sehr gut gelungen. Focus kombiniert den leichten Evation Antrieb, welcher komplett im Unterrohr integriert ist, mit einem Carbon-Rahmen und schafft so ein e-MTB mit einem Gesamtgewicht von gerade einmal 15,5 kg.


Der Fazua Evation im Härtetest

Nun stellte sich für uns natürlich die Frage, was dieser Antrieb tatsächlich kann. Daher habe ich ihn über unsere beliebte 1.000 Höhenmeter-Strecke auf den Kandel im Südschwarzwald gejagt. Die Challenge: 1.000 Höhenmeter über 12,3 Kilometer mit einer Akkukapazität von 252 Wh in der höchsten Unterstützungsstufe. Wer das Ergebnis im gesamten Verlauf verfolgen möchte, schaut sich an dieser Stelle einfach das Video an. Wen nur das Ergebnis des Fazua Evation auf 1.000 Hm interessiert, liest einfach mein Fazit!

Video: Motortest: 1.000 Höhenmeter mit dem Fazua Evation Antrieb


Wie der Fazua es schafft, mich zwei Mal zu überraschen...

Ich gebe es zu: Vor meiner ersten Fahrt mit dem Fazua Evation war ich sehr skeptisch dem Antrieb gegenüber. Denn ich als eMTBler konnte mir kein Szenario vorstellen, in dem der Fazua mit seiner eher geringen Power einen tatsächlichen Mehrwert bietet. Wer meinen ersten Erfahrungsbericht zum Raven² mit Fazua gelesen hat, weiß: Der e-Bike Motor hat mich bereits während der ersten Fahrt überrascht und mich tatsächlich eines Besseren belehrt. Nun hat mich der Fazua ein weiteres Mal bei der 1.000-Hm-Challenge überrascht. Ich habe es anfangs kaum für möglich gehalten, dass die 252 Wh des integrierten Akkus tatsächlich ausreichen, um die 1.000 Hm zu fahren. Aber die Akkukapazität hat nicht nur ausgereicht, es waren auf dem Gipfel des Kandel noch sensationelle 3 von 10 Ladebalken übrig! Für mich zwei Gründe zum Feiern: Ich hatte in diesem Test nicht nur ein unerwartetes Ergebnis erzielt, ich habe es mit dem Restakku auch noch bis nach Hause (nach Emmendingen) geschafft. Dazu kommt, dass die Anfahrt in der Ebene sehr angenehm zu pedalieren war, da der Antrieb vom Gefühl her komplett entkoppelt. Verbunden mit dem geringen Gewicht des Raven² und den gut laufenden 29er Laufrädern war diese Fahrt ein echtes Erlebnis mit außerordentlich sportlichem Anspruch. Das Fahrgefühl ist tatsächlich sehr puristisch, das Erfolgserlebnis daraus hat ebenfalls eine spezielle, begeisternde Note.


Höhenmetertest: Fakten zum Fazua Evation auf 1.000 Hm

Leistungseinbrüche unter dieser Dauerlast waren keine zu verzeichnen, wenngleich der Antrieb natürlich spürbar warm wurde. Das größte Drehmoment liegt gefühlt bei einer Trittfrequenz von etwa 80 - 90 Umdrehungen in der Minute an, darüber hinaus fällt das Drehmoment gefühlt spürbar ab. Dass am Ende nach knapp 1.000 Hm und 50 Kilometern (Anfahrt+Abfahrt von insg. 38 Km größtenteils über 25 km/h) noch drei Ladebalken (also knapp 1/3 der Akkukapazität) übrig sind, hatte ich nicht erwartet. Natürlich muss man im Gegenzug auch erwähnen, dass der reine Aufstieg mit einer Zeit von 1h:12 min nahezu doppelt so lange dauerte wie mit einem Bosch Performance CX (36 min). Dafür war der Bosch CX mit 500 Wh nach der gesamten Strecke von 50 km und 1.000 Hm dann fast leer gefahren (weil immer im Betrieb) - was meint ihr zu diesem Verhältnis?


Strava Streckendaten zur 1.000 Hm-Fahrt mit dem Fazua Evation

Der Hauptanstieg von Waldkirch auf den Kandel dauerte 1h:12min, wobei die Durchschnittsgeschwindigkeit 10 km/h betrug. Diese Strecke wurde permanent in der höchsten Unterstützungsstufe gefahren. Am Gipfel waren noch drei von 10 Ladebalken übrig, was dann noch locker bis nach Hause nach Emmendingen reichte.



In diesen Einsatzgebieten sehe ich den Fazua e-Bike-Motor

Der Fazua Evation e-Bike Motor im Test über 1000 Höhenmeter

Perspektivisch betrachtet sehe ich diesen Antrieb zum einen tatsächlich im sehr sportlichen Bereich angesiedelt, wie etwa in XC-eBikes, eRennrädern oder der neuen Gattung Gravel-eBikes (ReiseCrossräder). Die doch spürbar schwächere Leistungsentfaltung des Evation-Antriebs fordert den Biker natürlich viel mehr als die klassischen auf dem Markt verfügbaren Mittelmotoren. Andererseits ist in der Ebene eine Motorunterstützung gar nicht notwendig, da das Bike im klassischen Betrieb locker über 25 km/h läuft. Wird es dann steil, deckelt man durch Zuschalten des Fazua-Motors einfach die Leistungsspitze, woraus das Erlebnis "Pedelec-Biken" entsteht. Dieser Antrieb vereint tatsächlich beide Welten aus klassischem Biken und eBiken.

Ich sehe aber auch die Verwendung in der Massenverbreitung in jedem stinknormalen Rad als sehr günstig an, da der Antrieb in dieser Konstruktion sehr flexibel einsetzbar ist. Wenn der Akku leer ist spielt es keine Rolle, da der Antrieb nahezu neutral zu fahren ist. Man stelle sich eine Mietflotte von eBikes vor, wobei man als Nutzer nur in Besitz der Fazua Evation Antriebseinheit ist. Bike buchen - Antrieb einklicken - losfahren - abstellen - Antrieb entnehmen - fertig. Die Nutzung in Allmountain- oder Enduro Mountainbikes hingegen sehe ich als eher kritisch an. Da fehlt dem Antrieb hier dann doch die nötige Power um konsequent und anspruchsvoll durch das Gelände fräsen zu können.



Unser Testfahrer: Julian

e-MTB Testfahrer Julian

Seit beinahe 30 Jahren ist Julian nun schon begeisterter Offroad-Sportler. Nachdem er bereits viele Jahre auf den Singletrails des Südschwarzwaldes unterwegs war, entschied er sich im Jahr 2012 zum ersten Mal für eine spritziges e-MTB anstelle eines herkömmlichen Bikes. Die Bergetappen seiner Heimat machten mit dem Haibike XDURO FS RX e-Fully mit Bosch-Antrieb an Bord gleich noch viel mehr Spaß. Vor allem stellte er fest, dass ihm durch die Unterstützung vom Elektromotor bei steilen Anstiegen mehr Kraftreserven für Sprünge und Drops auf flowigen Trails bleibt, die er am liebsten mit 29“ Allmountain- und Enduro e-MTBs bestreitet. Seine Erfahrungen mit dem e-Mountainbike Sport teilte Julian bis vor Kurzem auf seinem beliebten Blog Pedelec-Biker.de und hat hierfür alle gängigen Elektromotoren von Bosch, Yamaha, Shimano und co. seinem Höhenmetertest unterzogen. Mit seinem großen Know-How rund um Technik und Fahrkunst unter Extrembedingungen ist er nun seit 2018 ein wichtiger Teil von e-MTB.de!